Magical Mystery Tour

Mit «Delusion of the Fury» holen Heiner Goebbels und das Ensemble musikFabrik den vergessenen Klangvisionär und Instrumentenbauer Harry Partch ans Licht – endlich

Dazugehören? Karriere machen? Die Musikwelt erobern? Das hat Harry Partch (1901-1974) nie interessiert. Den jungen Mann nicht, der, den Kopf voller verrückter Ideen, mittellos durch Kalifornien tingelte. Und auch den 70-Jährigen nicht, der, von der Mäzenin Betty Freeman unterstützt, aber sonst fast unbemerkt an seinem Lebensprojekt weiterbastelte – einer Fundamentalkritik am temperierten Tonsystem der europäischen (Kunst-)Musik. Alles, was er unternahm, zielte auf eine Wiederbelebung jener «reinen» Stimmung, die seit dem 14.

Jahrhundert nahezu vollständig aus dem kulturellen Gedächtnis verdrängt worden sei. Die zur Norm erhobene Unterteilung der Oktave in zwölf Halbtonschritte empfand Partch als Willkür – als ein Korsett, das die kreative Freiheit abschnüre und die Musikkulturen jenseits des Abendlands aussperre. Eingehend hatte er sich mit antiken Musiktheorien beschäftigt, nicht nur Pythagoras und Ptolemäus studiert, sondern auch chinesische und arabische Systeme. Helmholtz’ «Lehre von den Tonempfindungen» war ihm ebenso vertraut wie die Musikethnologie. 1949 skizzierte der Querdenker erstmals Prinzipien und Praxis seines eigenen, «reinen» Klangsystems (in dem Buch «Genesis of a ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Im Focus - Ruhrtriennale, Seite 7
von Albrecht Thiemann