Rettungslos verloren

Was geht uns Brecht/Weills «Mahagonny» heute an? Albrecht Thiemann über aktuelle Auskünfte von Barrie Kosky in Essen und Matthias Fontheim in Mainz

Der junge Adorno war begeis­tert. «Die Stadt Mahagonny», schrieb er 1930 über das neue Gemeinschaftsopus von Brecht und Weill, «ist eine Darstellung der sozialen Welt, in der wir leben, entworfen aus der Vogelperspektive einer real befreiten ­Gesellschaft.» Damals lag der Skandalrauch, den deutschnationale Bedenkenträger rund um die Leipziger Uraufführung des Stücks produziert hatten, noch in der Luft.

Und mit gezielten Krawallen musste jeder rechnen, der in der überhitzten Spätphase der Weimarer Republik die Parabel vom «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» auf den Spielplan setzte. Erst eine gekürzte Fassung in der Regie von Ernst Josef Aufricht und unter Leitung von Alexander Zemlinsky ging 1931 am Berliner Theater am Kurfürstendamm störungsfrei über die Bühne. Nach dem Machtantritt der Nazis blieb die Brecht-Gardine dann auf Jahre zu.
Knapp achtzig Jahre später lässt sich der Furor kaum noch nachvollziehen, den die aus zwanzig kurzen Episoden montierte «Oper» entfesselte. Die Story von Jim Mahoney, der auf der Suche nach käuflichem Glück vor die Hunde geht; der Topos des modernen Sünden­babel, wo jeder alles dürfen darf; der Stachel gegen die Exzesse eines kommerziellen ...

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Opernwelt März 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Albrecht Thiemann

Vergriffen