Doppel ohne Substanz

Sasha Waltz inszeniert mit Purcells «Dido and Aeneas» ihre erste Oper, René Jacobs setzt mit «Ulisse» den Monteverdi-Zyklus der Berliner Staatsoper fort

Erstaunlich lange hat Berlin auf Claudio Monteverdi warten müssen. Während der legendäre Zürcher Zyklus von Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle an fast allen Opernhäusern Europas als Initialzündung für eine Ausei­nander­setzung mit den Bühnenwerken Monteverdis in historisierendem Klangbild wirkte, ging diese Welle sowohl an der geteilten wie an der wiedervereinigten Stadt vorbei: Lediglich die Komische Oper wagte 1980 eine, freilich noch von den Adaptionen des frühen 20.

Jahrhunderts geprägte «Poppea», doch ansons­ten tat sich an den drei Häusern nach der Wende ebenso wenig wie davor. Selbst René Jacobs dirigierte Monteverdi in Salzburg, Köln und Innsbruck – und machte die Staatsoper, wo er sich seit 1992 um das vorklassische Repertoire kümmert, stattdessen zur Plattform für seine Barock-Ausgrabungen von Keiser und Telemann bis zu Alessandro Scarlatti. Der im letzten Jahr mit dem «Orfeo» endlich begonnene Monteverdi-Zyk­­lus ist da schon fast eine Wie­dergut­machungsaktion, auch wenn der ur­sprüng­liche, von Jacobs gemeinsam mit Herbert Wernicke entwickelte Plan, die drei erhaltenen Monteverdi-Opern durch eine szenische Aufführung der Marienvesper zur Barock-Tetralogie zu ...

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Opernwelt April 2005
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Jörg Königsdorf

Vergriffen