Concordia discors

Henzes «Der Prinz von Homburg» im Theater an der Wien, inszeniert von Christof Loy und dirigiert von Marc Albrecht

Hans Werner Henze, auch beim Verbalisieren fantasievoll, schuf für Kleists Drama «Der Prinz von Homburg» das Bild einer «seidig stählernen Sprache». Dies lässt uns ans «Glühend’ Eis und schwarzer Schnee» Shakespeares aus dem «Sommernachtstraum» denken und ist zugleich eine passende Charakterisierung für eine Kleist-Oper, die ja insgesamt wie eine Concordia discors anmutet.

Seltsam scheint nämlich, dass der Komponist, gerade erst der ungeliebten deutschen Düsternis entflohen und in die helle Leichtigkeit des mediterranen Raums getaucht, überdies erklärter Pazifist (wie auch seine ­Librettistin Ingeborg Bachmann), sich einem vermeintlich so deutsch-martialischen Stoff zuwandte. Weniger verwunderlich, dass die Anregung von Luchino Visconti kam. Der Regie-Maestro war von den Phantasmagorien deutscher Weltschau ja stets fasziniert – wie denn auch Filme wie «Die Verdammten» oder, auf andere Weise, «Tod in Venedig» noch belegen sollten.
Henze hat den Konflikt Homburgs, dessen Freiheitssehnsucht, die Spannung zwischen dem Sein eines Einzelnen und der Staatsräson, nie ans Brandenburgische des 17. Jahrhunderts gebunden gesehen; all das, sagte er, wäre heute ebenso möglich wie vor zweitausend ...

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Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Gerhard Persché

Vergriffen