Gefährliche Liebschaften gesucht

Händels «Semele», inszeniert von dem chinesischen Aktionskünstler Zhang Huan, dirigiert von Christophe Rousset, in Brüssel

Dieser Hauptdarsteller dürfte der älteste sein, den eine Oper jemals gesehen hat: 450 Jahre zählt der Tempel, den der chinesische Aktionskünstler Zhang Huan auf die Bühne von La Monnaie verfrachtet hat. Bis auf das etwas verblichene Gebälk, ein paar Altersflecken auf den steinernen Säulen und die Tatsache, dass es obenrum schon ziemlich kahl aussieht, scheint er noch gut beieinander zu sein.

Die anstrengende Rückreise zurück ins Reich der Mitte wird er sicher gut überstehen, und man kann nur hoffen, dass die Bühnenarbeiter der Oper in Peking respektvoll mit seinen morschen Gliedern umgehen, wenn sie ihn dort wieder aufbauen müssen.
Dass dieser Tempel nicht bloß Bühnenbild, sondern tatsächlich Hauptdarsteller der Brüssler Neuproduktion von Händels «Semele» ist, macht Zhang Huan schon zur Ouvertüre klar: Ohne sich im Geringsten um die Musik zu kümmern, erzählt er in einer Filmdokumentation, wie der Bau aus der chinesischen Provinz bis nach Belgien kam. Die Familie, die ihn über Jahrzehnte als Wohnung nutzte und sich nach dem Verkauf am gleichen Platz einen schmucken Neubau errichtete, kommt ausgiebig zu Wort; der Abbau und Wiederaufbau in Zhangs Pekinger Atelierhalle werden in ...

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Opernwelt November 2009
Rubrik: im focus, Seite 16
von Jörg Königsdorf

Vergriffen