La condition humaine

Ádám Fischer und Andrea Breth führen in Brüssel den nachtschwarzen Zynismus der Traviata-Gesellschaft vor

Das Wunderbare an den Opernarbeiten der Regisseurin Andrea Breth ist  die Unberechenbarkeit, mit der sie sich (meist) den Schicksalen von Frauen widmet. Ob es grellbunt wird und überdreht oder nachtschwarz und totenstarr, entscheidet nicht die bis zum Markenzeichen erprobte Methode, sondern die jeweilige Figur, eine musikalische Signatur oder die Verknüpfung mit dem wirklichen Leben.

Bei der Umsetzung von Verdis Traviata fürs Brüsseler Opernhaus musste Breth in ihrer Wahlheimat Wien nicht lange nach dem entsprechenden Realitätsbezug suchen: Der Mädchenhandel mit dem Osten, der Clubs und Betriebsfeiern mit «anspornendem» Menschenfleisch versorgt, hat mittlerweile einen Grad von Zynismus erreicht, dass selbst der Tatort die Mischung aus Menschenverachtung und kapitalistischer Wegwerfmentalität aufgreift.

Also kommt Violetta Valery, die Gestrauchelte aus Verdis erster Oper im großstädtischen Gegenwarts-Milieu, nicht aus der Normandie wie ihr reales Vorbild Marie Duplessis, sondern aus einem jener Container, die sich zum Vorspiel vor dem Zuschauer in einem imaginären Frachthafen aufstapeln: rostig, hässlich, eine Wand aus Panzerblech. Martin Zehetgruber hat diesen Eisernen Vorhang ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Michael Struck-Schloen