Digitaler (Alp-)Traum

Dmitri Tcherniakov inszeniert Rimsky-Korsakows «Zarenbraut» in Berlin – mit fabelhafter Besetzung

Die russische Medienmafia möchte zur Krönung aller turbokapitalistischen Tendenzen einen virtuellen Zaren erfinden. Dieser soll umso besser ­manövrierbar sein, als er gar nicht existiert. Der Coup der PR-Strategen: Nur die First Lady, die Zarenbraut, soll real sein und durch ein landesweites Casting ermittelt werden. Dumm lediglich, dass die telegene Marfa dabei Opfer privater Intrigen wird.

Dies ist das Grundkonzept für Dmitri Tcherniakovs Inszenierung von Nikolai Rimsky-Korsakows Oper «Die Zarenbraut».

Bei der Premiere kam es zu demonstrativen Umarmungsgesten zwischen Daniel Barenboim mit dem von ihm geförderten Regisseur. Kein einziges Buh. Das Berliner Staatsopern-Publikum weiß zwischen sehr guten Produktionen und Ausschuss durchaus zu unterscheiden. Und diese «Zarenbraut» gehört zum Besten und Stimmigsten, was hier in den letzten Jahren vom Stapel gelaufen ist.

Geschenkt, dass sich die Aktualisierung mit der Gifttrank-Geschichte in Rimskys neunter Oper streckenweise nicht verbinden will. Es ist sogar von Vorteil, denn währenddessen, im zweiten und dritten Akt, schreitet die Geschichte umso ungestörter (und uneitler) voran. Das Brauthaus idyllisiert Tcherniakov – wie immer als ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Kai Luehrs-Kaiser