Im Focus der Opernwelt: April 2010

Dichter kann ein Opernmonat kaum sein. Abseits der Metropolen kommt Franz Schreker endlich einmal wieder zu seinem Recht. Chemnitz holt den «Schmied von Gent» aus dem Vergessen, und Augsburg setzt sich für «Der ferne Klang» ein. Die musikalischen Ergebnisse rechtfertigen in beiden Fällen den Aufwand. In Berlin rivalisieren Staatsoper und Komische Oper in Sachen Händel. Und dann ein Clou: Neue Stücke von Kaija Saariaho, Peter Eötvös, Johannes Kalitzke und Aribert Reimann, vier führenden Komponisten unserer Zeit.

Der Uraufführungsreigen in München, Lyon und Wien fiel so kontrastreich aus wie nur möglich. Details dazu auf den folgenden Seiten. Die anderen wichtigen Aufführungen des Monats in unserem Pa­norama ab Seite 38. Dort berichten wir von zwei «Elektra»-Premieren in Italien. Wir fragen, wie zwei Götz Friedrich-Schüler in Kassel und Kiel die «Meistersinger» deuten.

Außerdem: Angela Denoke und Antonio Pappano sorgen an Covent Garden für Wirbel mit Prokofjews «Spieler». Und: Wie war Juliane Banse bei ihrem Rollen­debüt als Arabella?

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Opernwelt April 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 5
von Stephan Mösch/Albrecht Thiemann

Vergriffen
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Paradise Lost

Es beginnt ruhig. Bassflöte, Bassklarinette und Fagott spinnen eine leise, dunkel getönte Melodie: e – e – d – e – a. Wie ein Engramm eröffnet sie Aribert Reimanns neue Oper. Was da klingt, ist der Name der Titelheldin: Medea (wobei das M als mi=e gilt). Ein fallender Ganzton und eine aufsteigende Quart prägen die Bewegung. Später kommt eine fallende Terz dazu....

Vom Suchen und Finden der Triebe

Es ist gewissermaßen eine Annäherung von zwei Seiten. Franz Schrekers «Der ferne Klang», ein Überraschungserfolg von 1912, der den Komponisten aus dem Nichts an die Spitze der Aufführungsstatistik katapultierte. Und seine letzte vollendete Oper «Der Schmied von Gent», die bei der Uraufführung 1932 «Jude raus»-Rufe provozierte. (Da sollte Franz Schrekers tödlicher...

Der Ausstatter

Der Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli gehört heute zu den meistbeschäftigten Ausstattern des Musiktheaters. Ausstatter – dieser Begriff trifft vielleicht am besten das ästhetische Credo des gebürtigen Zürichers. Werkbezogene visuelle Opulenz war ihm stets wichtiger als der interpretatorische Überbau. Nach Studien- und Lehrjahren in seiner Heimatstadt...