Der innere Puls

Franz Welser-Möst und Sven-Eric Bechtolf eröffnen mit der «Walküre» den neuen Wiener «Ring»

Die viel beschworene Krise des Wagner-Gesangs ist zu wesent­lichen Teilen eine des Wagner-Dirigierens. Beides hängt ursächlich miteinander zusammen. Seit Wagners Zeit haben sich nahezu alle Parameter des Orches­terklangs verändert – mit der Tendenz, den Stimmen mehr und mehr zuzumuten. Das gilt für Tonhöhe, Tonspannung und Tempi ebenso wie für Besaitung und Obertonfrequenzen der Streicher oder die Mensuren der Bläser. Selbst unter den instrumentalen Voraussetzungen seiner Zeit und unter dem Bayreuther Deckel fand Wagner sein «Ring»-Orches­ter zu laut.

Den «Tris­tan» hat er in München in der Dynamik zurückstufen lassen und überdies Striche empfohlen. Trotz solch offenkundiger, von der Forschung und der Neuen Wagner-Gesamtausgabe reflektierter Befunde fließt dieses Wissen nur sehr zögerlich in Aufführungen ein. Hartmut Haenchen und ­Roger Norrington gehören zu den wenigen Dirigenten, die (durchaus streitbare) Folgerungen daraus gezogen haben: Grenzgänger, abseits des Opernalltags. Es ist keine Frage eines historischen Instrumentariums, ob Stimmen bei Wagner überfordert werden. Es geht um eine historisch geschulte Sensibilität, die interessanterweise, wenn sie denn einmal zum Tragen ...

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Opernwelt Januar 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Stephan Mösch

Vergriffen