«Da fließt es schwarz»

Achim Freyer deutet Cherubinis «Medée» in Mannheim

Luigi Cherubinis Vertonung der finsters­ten aller griechischen Tragödien markiert einen Wendepunkt der Opern­geschichte. Mit diesem 1797 in Paris ­uraufgeführten Werk des seit 1786 in Frankreich lebenden Cherubini kommt die von Gluck begonnene Verschmelzung der italienischen Opera seria mit der französischen Tragédie lyrique zum Abschluss und treibt zugleich weit über den aufklärerischen Klassizismus von Winckelmanns Zeitalter hinaus.

Cherubinis Textdichter Hoffman hat die Vorlage des antiken Dramas von Euripides in beispielloser Verknappung ganz auf die Katastrophe und damit auf die psychische Introspektion der zwischen Liebe und Hass zerrissenen Titelheldin konzentriert, der Komponist seinerseits dieses Libretto ohne jede Konzession an den Zeitgeschmack in einem bis dahin unerhörten musikalischen Realismus vertont. Im tragischen Ende der den ­Liebesverrat Jasons rächenden Medea bricht sich unverhüllt die Romantik Bahn, die kein rettendes Orakel und keine verzeihenden Götter mehr kennt. Beethoven war vom revolutionären Elan Cherubinis hingerissen, und noch für Brahms verkörperte sich in der düsteren Größe dieser konsequent durchgeführten Tragödie «das höchste in der dramatischen ...

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Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Uwe Schweikert

Vergriffen