Einsame Frauen

Aufs Haus zugeschnitten: Brigitte Fassbaender wagt sich am Landestheater Innsbruck an Berlioz’ Monumentaloper «Les Troyens» – und die Operation gelingt

Sein Theater ist nicht groß genug», klagte Berlioz, mit Blick auf León Carvalho, den Direktor des Théâtre Lyrique. «Seine Sänger sind nicht geschickt genug, und ebenso wenig ist sein Chor und sein Orchester ausreichend.» Ein Verzweiflungsausbruch des Komponisten – und eine Warnung an die Nachwelt. Berlioz musste sich mit abenteuerlichen Bedingungen zufrieden geben, damit sein um den ersten Teil gekapptes Opus summum überhaupt, und zwar als «Trojaner in Karthago», uraufgeführt werden konnte.

So gesehen hat er in Brigitte Fassbaender eine Wesensverwandte.

Denn der Intendantin des Tiroler Landestheaters kommen «Elefantenopern», wie sie es auf ihre herb-sympathische Art formuliert, nicht ins Haus. «Nabucco» gab es nur konzertant, «Aida» halbszenisch. Was die Chefin freilich nicht daran hindert, sich gelegentlich untreu zu werden. Brittens «Peter Grimes» hat sie zum Beispiel schon in ihren 800-Plätze-Tempel in Innsbruck gepresst, auch Wagners «Meistersinger» und nun mit «Les Troyens» eines der Spitzenstücke aus der Schwergewichtsklasse. Jene maßlose Antiken-Oper also, die erst 21 Jahre nach Berlioz’ Tod komplett uraufgeführt wurde.

Natürlich sind, und das weiß auch die Regisseurin ...

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Opernwelt November 2009
Rubrik: im focus, Seite 18
von Markus Thiel

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