Bedrückend schwerelos

Christoph Waltz debütiert in Antwerpen als Opernregisseur – und kommt dem «Rosenkavalier» näher als Dmitri Jurowski am Pult

Der erste Eindruck: Da hat einer ganz genau hingeschaut. Aus nächster Nähe. An jedem Augenaufschlag, jedem Tonfall, jedem Fingerzeig gefeilt, bis nichts mehr zu sehen war von der Anstrengung, der Konzentration, ohne die es keine Wahrhaftigkeit gibt im Spiel auf der Bühne. Und: Da hat einer ganz genau hingehört. Sich tief in die Noten versenkt. In das Farbflimmern, den nostalgisch gebauschten Seidenklang, die süße Melancholie der Musik. Einer, der aus Erfahrung weiß, dass in Wien schon immer früher alles besser war.

Einer, der sich auskennt mit Endzeitstimmungen, letzten Menschheitstagen und ihrem Widerhall in Wort und Ton. Und eine Schwäche hat für die sehrenden Sehnsuchtsharmonien, den mäandernden Herzschlag der «Rosenkavalier»-Welt – bitterzart, rasend, stockend, im Dreivierteltakt, frei fließend, alles zusammen. Einer, der eine Antenne hat für das bedrückend Schwerelose jener ins Gestern projizierten Welt des Traums und des Abschieds, um die sich alles dreht in Hugo von Hofmannsthals und Richard Strauss’ «Komödie für Musik».

Wieder so ein Quereinsteiger vom Film, dachte man, als die Vlaamse Opera bekannt gab, dass Christoph Waltz in Antwerpen den «Rosenkavalier» inszenieren ...

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Opernwelt Februar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Albrecht Thiemann