Im Blutrausch
Da wächst ein großes Talent heran: Antony Hermus, seit einem Jahr GMD in Hagen. Der junge Dirigent imponierte mit «Elektra», ließ trotz kompakter Klangattacken Raum für Steigerungen, differenzierte klug diesen «blutigen» Klangrausch, hellte zumal die wenigen «friedlichen» Momente wunderbar wie lyrisch-lichte Schneisen im mythosbeladenen Dunkel auf. Das Hagener Orchester folgte ihm ohne Probleme – bis auf die letzten Ekstasen im Finale – und landete ebenso wie das Ensemble einen großen Theatercoup.
Denn neben der orchestralen Wucht beeindruckte das hauseigene Ensemble mit bemerkenswertem Engagement. Es folgt den Strauss-Spuren fast in jeder Nuance. «Elektra» ist ein Gericht auf offener Bühne: Da stehen Kläger und Angeklagte, Opfer und Täter nebeneinander in tödlicher, tragischer Abhängigkeit. Bestrafte Verlierer sind schließlich alle, das Ende ist nur noch Schrecken. Und der wird von Regisseur Rainer Friedemann noch gesteigert. Denn anders als der finale Tanz bei Strauss greift hier das Massensterben um sich – Orest erschießt fast alle, die ihm in die Nähe kommen. Leichen pflastern die Bühne. Auch Elektra sinkt tödlich getroffen zusammen.
Diese Schlussvariante sorgte für einige ...
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