Idylle in Schwarz und Grau

Kassel, Händel: Orlando

Die Spielzeit am Staatstheater Kassel begann diesmal ohne die üblichen Hits. Im September stellte Gabriele Rech Puccinis «Manon Lescaut» in düstere Seelenräume, die von GMD Patrik Ringborg musikalisch farbenreich ausgemalt wurden. Fünf Wochen später wurde die (leider nur) konzertante Aufführung von Louis Spohrs «Jessonda» zum Höhepunkt des Gedenkjahrs an den Komponisten, der sein halbes Leben in Kassel verbrachte. In seiner ersten Oper für das Hoftheater erweist er sich als origineller Melodiker und Instrumentationskenner, auch wenn das letzte dramatische Moment oft fehlt.



«Orlando» ist seit langer Zeit die erste Händel-Oper am Staatstheater. (In der vergangenen Spielzeit gab es immerhin das Oratorium «Hercules» szenisch.) Das Experiment gelang über weite Strecken, auch wenn Marco Comin das auf modernen Instrumenten «historisch informiert» spielende Orchester bremste, Händel ins Idyllische zog, Affekte verniedlichte. Hörenswert war das Quintett der Hauptrollen, das ohne Gastengagements auskam. Die vier Frauen und Igor Durlovski als Zoroastro mit seinem schlanken Bass hielten ein einheitliches Niveau: Inna Kalinina stattete den Titelhelden mit einem tieftraurigen Alttimbre aus; Maren ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Johannes Mundry

Vergriffen
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