Ich sing’ jetzt ein Lied über gar nichts

Berlin (Neuköllner Oper): Bauer: Brachland

Opernwelt - Logo

Als «Opernwelt» und «Theater heute» ihren 50. Geburtstag feierten, erklärte die Kölner Intendantin Karin Beier, dass Theater alles bewirken solle: das Ende des Konflikts in Afghanistan, die Verflüchtigung des Ölteppichs im Golf von Mexiko, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit... Ihr Sarkasmus über falsche Erwartungen gab das Stichwort. In der Neuköllner Oper ironisierten Matthias Rebstock, Tilman Rammstedt und der Komponist Michael Emanuel Bauer – «Brachland. Geschichten vom Nichts».

Thema: was unsere Großstadtgesellschaft so an Erwartungen umtreibt, eingeschlossen die Vorstellungen, die ein gewisser Jargon der Eigentlichkeit vom Musiktheater hat: Es muss Stil und Handlung haben, «soziale Relevanz» besitzen, was immer das heißt, darf «elitär» nur verhohlenermaßen sein, soll verständliche Inhalte darbieten, über die sich Kluges sagen lässt.

Zu unserer Freude lässt sich über «Brachland» viel Kluges sagen. Damit ist die Erfüllung der Erwartungen auch schon zu Ende. Neunzig Minuten im Grenzbereich zwischen Musik, absurder Literatur, Pantomime, Tanz, Körperkunst, Video, Kabarett – randvoll mit Ideen. Die Urheber haben mit dem achtköpfigen, virtuosen und vielseitigen Frauenensemble ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2010
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Dietmar Polaczek

Vergriffen
Weitere Beiträge
Huldigung für eine Leiche

Vatermord, Folter, Nekrophilie, Wahnsinn – Andrea Lorenzo Scartazzinis Oper «Wut» führt in eine düstere, hoffnungslose Welt. Das Stück des 1971 in Basel geborenen Schülers von Rudolf Kelterborn und Wolfgang Rihm wurde im September 2006 am Theater Erfurt uraufgeführt (siehe OW 11/2006). Nun stellte das Stadttheater Bern das Werk in der Schweiz vor. Zu Grunde liegt...

Die zweite Wirklichkeit

Mumbai schwitzt. Selbst um Mitternacht sorgt die hohe Luftfeuchtigkeit dafür, dass man sich nach besseren Klimaanlagen sehnt. Aber die tropische Hitze ist nicht das Hauptproblem dieser Stadt. Auch nicht der Verkehr, die miserable Luft, der Lärm. Nein, Mumbai, das einmal Bombay hieß, ist einfach zu voll. Mehr als 16 Millionen Menschen leben hier. 2015 werden es nach...

Formgefühl und Leidenschaft

Ich nippe gerade am Jasmintee, um die gesalzenen Sonnenblumenkerne aus den Zähnen zu spülen, als oben auf der Bühne, unter bunten Lampions und Troddeln, das Spektakel losgeht. Während die Trommelgruppe sich an rasanten Rhythmen die Finger wund hämmert, sausen Speere durch die Luft, werden mit blitzschnellen Drehungen pariert, durch galanten Fußkick auf den Gegner...