«Ich möchte berührt werden»

Spätestens seit ihrem fulminanten Album «Æther» weiß die Musikwelt um die außerordentlichen Fähigkeiten der Koloratursopranistin Sarah Aristidou. Doch die zypriotisch-französische Sängerin neigt nicht nur vokal zu Extremen. Ein Gespräch über die Kunst des Eisbadens, das Alleinsein, die Faszination von Inseln und rauchige Sprechstimmen

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Frau Aristidou, wenn man die Fotos betrachtet, die es von Ihnen gibt, fällt auf, dass diese sehr unterschiedlich sind. Besitzen Sie mehrere Identitäten?
(lacht) Ich glaube, nicht. Es kommt darauf an, in welchem Augenblick die Fotos gemacht wurden, in welcher Stimmung ich gerade war. Aber eigentlich bin ich immer derselbe Mensch – wobei die Fotos, die vermutlich am ehesten mein Inneres spiegeln, diejenigen sind, die im Rahmen einer Islandreise 2021 gemacht wurden.

Ihre Wurzeln liegen auf Zypern.

Faszinieren Sie Eilande generell?
Das könnte schon sein. Zumal meine stärkste Kindheitserinnerung ein Buch über einen Pinguin ist – aber das ist nicht irgendeiner, sondern der abenteuerlichste Pinguin des Nordpols. Dieses Buch habe ich überallhin mitgeschleppt. Und Kälte hat mich immer schon magisch angezogen, weil sie für mich Ruhe bedeutet und mir hilft, mich zu konzentrieren. Auch deswegen habe ich vor vier Jahren ausgiebig die Wim-Hof-Methode trainiert, eine Kombination aus Atemtechnik, Eisbaden und Meditation. Der Körper zittert dabei, und es gibt diesen einen Moment, wo man alles loslässt und sich plötzlich auf ganz neue Weise kennenlernt. Die Methode ist sehr hilfreich, weil man ...

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Opernwelt März 2023
Rubrik: Interview, Seite 34
von Jürgen Otten

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