Ich komponiere nicht, ich werde komponiert
Es geht ihm durchaus um Schönheit, Wahrheit, musikalische Logik, nicht jedoch um Konsens und Konsum. Lange haftete Helmut Lachenmann das Etikett des Zerstörers, Verweigerers, des «Geräuschkomponisten» an. Noch bei der Uraufführung seines «Mädchens mit den Schwefelhölzern» 1997 in Hamburg polemisierte der «Spiegel» unverhohlen. Inzwischen wurde das Stück in ganz Europa, Japan und den USA gespielt. Eine «Musik mit Bildern», die – wie alles, was Lachenmann schreibt – auf der Suche nach vertiefter Wahrnehmung ist.
«Musik als existenzielle Erfahrung» heißt die Sammlung seiner Aufsätze. Ein Komponist, der die Materialsphäre ständig erweitert, aber an die Schrift glaubt; einer, der Klang nicht von seinem Ergebnis, sondern von seiner Entstehung her denkt und doch zur Transzendenz neigt; einer, der das kritische Bewusstsein braucht, weil er sich Kunst ohne Gesellschaft nicht vorstellen kann. Das folgende Gespräch ist ein Vorabdruck aus dem Buch «Komponieren für Stimme. Von Monteverdi bis Rihm», das in Kürze im Bärenreiter-Verlag erscheint.
Herr Lachenmann, Sie haben erst spät angefangen, für Stimme zu komponieren. «temA» für Flöte, Stimme und Cello entstand 1968, bis zu Ihrem «Mädchen mit ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Interview, Seite 32
von Stephan Mösch
Questa poi là conosco pur troppo. Auch uns geht es an diesem Abend im Theater an der Wien wie Leporello: Die Musik kommt uns äußerst bekannt vor, diese Ouvertüre, deren Allegro con brio der tänzelnden Achtel wir im Schlaf nachpfeifen können. Später erwarten wir eigentlich «Ah, bravo Figaro» und nicht ein Liebesdrama um die jungfräuliche Königin. Sind wir etwa im...
Neben dem unverwüstlich populären «Karneval der Tiere» sind es hauptsächlich die Klavierkonzerte, die «Orgel»-Symphonie und die Oper «Samson et Dalila», die aus dem riesigen, nahezu sämtliche Gattungen umfassenden Œuvre von Camille Saint-Saëns (1835-1921) überlebt haben. Ein Schattendasein fristen hingegen die Lieder, von denen man nur Victor Hugos Ballade vom «Roi...
Frau Chevalier, mögen Sie Medea?
Ja. Und nicht nur, weil sie eine mythische Figur ist. Sondern auch, weil sie wahnsinnig interessant ist. Weil sie so viele Facetten in sich trägt, weil sie ein inneres Gesicht hat. Medea wird im Verlauf ihrer Geschichte Mensch. Man kann sie, ihr Handeln, verstehen, weil es uns als menschliches Handeln begegnet. Ja, ich habe Sympathie...
