Ibsen, Feuerbach & Co.

London, Royal Opera House Covent Garden, Wagner: Die Walküre

Der Wonnemond schien ferner denn je. Es mögen keine Winterstürme gewesen sein, die an diesem Märztag über die Covent Garden Piazza fegten, doch der gelegentliche eisige Windstoß war unangenehm genug für die Schlange der Unentwegten, die sich ihre klammen Finger an Bechern mit heißem Kaffee wärmten und hofften, noch ein Ticket für «Die Walküre» am Royal Opera House zu ergattern.


Der glückliche Kartenbesitzer konnte dann zur Belohnung Rätselspiele treiben: Stefanos Lazaridis’ Bühne gab sich postmodern, war in den ersten beiden Akten mit Allusionen voll gestopft (der dritte spielt, wohltuend abstrahiert, vor und mit einer drehbaren weißen Wand), und auch Marie-Jeanne Leccas Kostüme mischten Zeiten und Stile. Die Aktionen scheinen verwirrend, doch Regisseur Keith Warner verweigert die eindeutige Stellungnahme bewusst. Er ziehe, erklärte Warner im Interview (siehe OW 2/2005), eine assoziativ-poetische Freiheit vor, die dem Zuschauer einen eigenen Zugang zum Stück ermögliche.
Mancher mag es freilich auch Flucht vor der Verantwortung nennen. Wobei dies der Handlungsweise ­Wotans durchaus entspräche. Doch dessen Erkenntnis, dass seine Zukunftsgedanken zu verwirklichen ihm nicht mehr ...

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Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Gerhard Persché

Vergriffen
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