Horror und Erhabenheit

Kasper Bech Holten inszeniert Schumanns «Genoveva» in Annandale-upon-Hudson

Es gibt Festivals, bei denen sich alles um den Rausch der Sinne dreht, aber auch solche, die eine intellektuelle Programmatik verfolgen. Das Bard SummerScape Festival zum Beispiel – es findet auf dem Campus des Bard College in Annandale, New York, statt – zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass die Spielpläne nicht zuletzt um Fragen des musikwissenschaftlichen Diskurses kreisen. Vor diesem Hintergrund ist «Genoveva», Robert Schumanns einzige Oper und zugleich jenes Opus, an dem er so lange arbeitete wie an keiner anderen seiner Kompositionen, zweifellos eine höchst plausible Wahl.

Handelt es sich doch um das vernachlässigte Werk eines Meisters. Doch ist es auch ein Meisterwerk?
Obwohl sich immer wieder große ­Musiker für das Stück einsetzten (Franz Liszt, Kurt Masur, Nikolaus Harnoncourt), bleibt «Genoveva» ein Problemfall. Das Libretto erzählt von weiblicher Tugend, die in den Schlamm gezogen und wiederhergestellt wird, doch lässt das späte, die sadistischen Bedrängungen der Heldin sozusagen mit einem Federstrich aufhebende Happy End einen bitteren Nachgeschmack.
Im Rahmen des Bard Festivals, so schien es, wusste nun Kopenhagens Opernchef Kasper Bech Holten diese ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Magazin, Seite 34
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
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