Holocaust in den Seelen
Die Kammeroper «Pnima» war die herausragende Produktion der Münchener Biennale für Neues Musiktheater im Jahr 2000, sie wurde in der Kritikerumfrage dieser Zeitschrift zur «Uraufführung des Jahres» gewählt. Der ethisch und ästhetisch hoch riskante Versuch der 1957 geborenen israelischen Komponistin Chaya Czernowin, die Judenvernichtung durch die Nazis, genauer: deren Nachhall, in ein Musiktheater zu bannen, erhielt damals durch Claus Guths Regie ein starkes Bild: auf der Bühne ein zerschlissenes leeres Zimmer, darin verloren zwei stumme Darsteller.
Wie jetzt dasselbe Stück am Staatstheater Stuttgart mit Bild, Mensch und Geste fast manisch angefüllt ist, das sieht aus wie das genaue Gegenteil der Uraufführung: Nicht Leere einer Bühne, sondern ihre kunstvolle Bespielung ist das, was die koreanische Regisseurin Yona Kim aus Chaya Czernowins Stück heraushören will. Und es hat seine imaginative Logik.
Der Holocaust in den Köpfen und Seelen der folgenden Generationen, er muss nachbeben – Czernowins Thema. Die Komponistin aus Israel wollte für ihr Musiktheater keine «Geschichte» erfinden, sondern alles der Musik überantworten. Ihre musikalische Fantasie führt sie in eine ungeheuer ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 66
von Wolfgang Schreiber
Am 29. Juni 2010 schien die Sonne über Italien, und sie schien im Norden wie im Süden, im Westen und im Osten. Doch so sehr Helios auch strahlte – das Unwetter, welches ein Mann namens Sandro Bondi ins Werk setzte, war ungleich stärker. Denn an diesem für sämtliche Künste rabenschwarzen Tag passierte jenes Gesetz, das der italienische Kulturminister – mit hoher...
«Wir sind zwar mit der Eröffnung ungünstigerweise in einen Zeitpunkt des Stillstands des wirtschaftlichen Aufschwungs geraten, und es ist daher nicht auffallend, dass man oft zweifelnde Fragen aufwerfen hört, ob das Stadttheater nicht kleiner und billiger hätte ausgeführt werden sollen. Doch die Mitglieder des Stadtrats und der Stadtverordneten, welche damals...
Franco Leonis nachveristischer Einakter «L’oracolo», der 1905 in London seine Uraufführung erlebte, hatte durch den Einsatz des Baritons Antonio Scotti zunächst einen Langzeiterfolg an der New Yorker Met, verschwand nach dessen Bühnenabschied aber für Jahrzehnte in der Versenkung. Auch eine verdienstvolle Schallplattenproduktion der Decca (1975) unter Richard...
