Eine Welt erschaffen

Bernd Alois Zimmermanns «Soldaten» sind, wie in diesem Monat in Wiesbaden, der Ausnahmezustand für ein Haus, erst recht für die Sänger. Doch auch wenn HOLGER FALK erstmals den Stolzius singt: Zeitgenössisches, Extremes, Experimentelles ist für den Bariton nicht nur Alltag, sondern karriereprägend. Mit großer Neugier, Flexibilität und Risikolust sät und erntet der gebürtige Regensburger in einem Biotop, das viele Kollegen meiden

Sie sind der Mann für besondere Opernfälle. Wünscht man sich eine ­solche Position oder rutscht man da hinein?
Ich bin sehr früh mit außergewöhnlichem Repertoire in Berührung gekommen. Schon unter meinen ersten Engagements als Solist waren Uraufführungen. Doch ich sagte mir: Du musst unbedingt eine normale Mainstream-Karriere machen. Mit Festengagement und allem. Das hat ja viel mit Psychologie zu tun. Ich dachte immer, ich müsse mir mit dem üblichen Weg beweisen, dass ich ein vollwertiger Sänger bin.

In meinem damaligen Denken war eine internationale Karriere gar nicht vorstellbar. In dieser Phase habe ich intensiv an meiner Persönlichkeit gearbeitet. Und mit der Zeit ist dieser Zwang von mir abgefallen. Ich merkte: Das moderne Repertoire ist das, was ich schwerpunktmäßig machen will. Mozart und all die anderen Komponisten haben schließlich immer für die Sänger ihrer Zeit geschrieben. Und ein solches Privileg wird nun mir zuteil. Abgesehen davon: Mozart würde lachen, wenn er sehen könnte, wie gering der Anteil zeitgenössischer Werke in den Opernspielplänen ist.
 
War der Mainstream also mit Frust verbunden?
Ich war bei den Regensburger Domspatzen. Die extreme Disziplin hat einen ...

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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Interview, Seite 38
von Markus Thiel