Auf Nebenwegen

Zwischen Paradies und Hölle: Samir Odeh-Tamimi, Kris Defoort, Friedrich Schenker und Simon Laks

Manche mögen’s laut. Seit Edgar Varèses Orchesterdetonationen hat sich kaum ein Komponist so lustvoll fortissimo ausgetobt wie Samir Odeh-Tamimi. Als der in Tel Aviv geborene Wahlberliner aus einer palästinensischen Familie 2010 bei der Ruhrtriennale seine erste Oper vorstellte (Leila und Madschnun), wirkte die ungestüme Energie, die kunstvoll-rohe Kraft seiner Musik gedämpft, absorbiert vom Riesenraum der Bochumer Jahrhunderthalle (siehe OW 11/2010). Auch kompo­sitorisch zurückgenommen in die leise Poesie einer von arabischen Melismen und Rhythmen dominierten Passionsgeschichte.

Der helle Wahn des wegen einer unbotmäßigen Liebe in die Wüste geflohenen Helden artikulierte sich als ein von Flöten, Akkordeon und einem Kammerorchester getragenes Schmerzenslied – ein vielstimmiger Klagegesang voller Melancholie. So wie das Stück Madschnun II für Blockflöte und Männerchor, das im Kontext dieses Musiktheaters entstand. Es beschreibt eindringlich die innere Not des tragisch Verliebten und rasend «Verrückten», der in der einsamen Zuflucht tausendundeine Stimmen hört: gellende Rufe, nackte Laute, wortlose Schreie, wogende Glissandi. Ligetis mikropolyphone Wunderchöre haben hier ebenso Pate ...

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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Albrecht Thiemann