Mit Blick zurück nach vorn

Iestyn Davies vereint die britische Counter-Tradition mit moderner Klangästhetik

Die Londoner Wigmore Hall, Lieblingskonzertsaal vieler Liedsänger und Kammermusikensembles, lädt regelmäßig herausragende Künstler zur Gestaltung einer eigenen Konzertreihe ein. In der Saison 2012/13 war Iestyn Davies «countertenor in residence». Die Mitschnitte von zwei seiner drei Konzerte sind beim hauseigenen Label der Wigmore Hall erschienen und zeigen zwei verschiedene Facetten des jungen Sängers, der erst über Umwege zum solistischen Gesang gefunden hat und mittlerweile zu den bekanntesten britischen Vertretern seines Stimmtyps gehört.



Wie Davies in einem Interview verrät, war es eine CD von Andreas Scholl, die den entscheidenden Impuls gegeben habe, selbst eine Karriere als falsettierender Sänger an­zustreben. Scholl gehörte zu jenen männlichen Altisten, die noch vor der Jahrtausendwende der jahrzehntelang vorherrschenden Klangästhetik der britischen Countertenöre ein anderes Ideal gegenüberstellten: runder, weicher, sinnlicher, «weiblicher», als man es bis dahin gewohnt war. Diese Attribute passen durchaus auch auf die Stimme von Iestyn ­Davies, der aber dennoch unverkennbar in einer englischen Countertenor-Tradition steht – nicht zufällig verstand er seinen Zyklus in der ...

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Opernwelt August 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Thomas Seedorf