«Er weinte und liebte für uns alle»

Riccardo Mutis Liebeserklärung an Verdi

Das Verdi-Wagner-Jahr treibt seltsame Blüten. Nach Christian Thielemanns intellektuell eher bescheidener Huldigung an den deutschen Gesamtkunstwerker («Mein Leben mit Wagner») erklärt jetzt Riccardo Muti Verdi zum «Komponisten seines Lebens» – journalistisch abgefedert durch Armando Toro, der die Gespräche in Buchform gebracht hat. Man merkt die Absicht, mit den Namen großer Interpreten Bücher zu vermarkten, und ist verstimmt angesichts der Sprachlosigkeit, der man hier auf Schritt und Tritt begegnet.

Mal reproduzieren die Figuren auf der Bühne nichts anderes «als Verdis eigene Seelenzustände», dann wieder sprechen sie «uns als Menschen an», in denen sich «jeder von uns widerspiegeln» kann. Muti pocht zwar immer wieder auf strikte Partiturtreue, betet aber verstaubte Verdi-Legenden nach, sodass wir auch hier wieder dem «Bauern von Sant’Agata» und dem Revolutionsmusiker des ­Risorgimento begegnen, auch wenn die Verdi-Forschung beides längst als Selbststilisierung entlarvt hat. Und manches ist irritierend falsch – so etwa die Behauptung, Verdi habe am Mailänder Konservatorium studiert, der junge Toscanini hätte unter seiner Leitung am Cellopult der Scala gesessen, Eduard Hanslick ...

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Opernwelt November 2013 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Uwe Schweikert