Höchste Verklärung

Historisch-kritischer Sensualismus: Simon Rattle dirigiert in Baden-Baden Berlioz und den zweiten «Tristan»-Akt, Claudio Abbado durchleuchtet in Luzern «Fidelio»

Opernwelt - Logo

Richard Wagner und historische Aufführungspraxis. Darüber kann man wunderbar streiten. Einer, der Zeit seines Lebens an der Modernisierung von Klang und Instrumentarium arbeitete, lässt sich schwer greifen mit den Mitteln historischer Aufführungspraxis. Aber der Versuch lohnt, wenn er frei ist von missionarischem Eiferertum. Es muss ja etwas an dieser Musik gewesen sein, das die Zeitgenossen gleichermaßen verstörte wie begeisterte. Ganz Ähnliches gilt für Hector Berlioz.

Man denke nur an die zeitgenössischen Karikaturen, in denen die Orchester der beiden zusammen mit den Komponisten wie Kampfmaschinen dargestellt werden: Kanonen, Blasinstrumentungetüme mit riesigen Trichtern und Rohrwindungen. Armeen sind das und keine braven Orchester, wie man sie noch vom musikalischen Ancien Régime kannte.

Schon deshalb ist das, was Sir Simon Rattle, selbst leidenschaftlicher Klangforscher und das Orchestra of the Age of Enlightenment im Baden-Badener Festspielhaus machen, unglaublich spannend. Der zweite Akt aus dem «Tristan», Liebesverzückung und Ekstase auf Instrumenten, wie sie zwischen 1840 und 1860 benutzt wurden, und die Scène d’amour aus Berlioz’ Symphonie «Roméo et Juliette»: Erzeugt das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Magazin, Seite 102
von Alexander Dick

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Keine Panik»

Wenn Leute, die gerade mal die 40er-Stufe auf der Altersleiter überklettert haben, eine Biografie veröffentlichen oder veröffentlichen lassen, ist das immer heikel. Die ersten Lebensbücher über Anna Netrebko waren so nährstoffreich wie ein labbriger Schokoriegel; um einiges besser geriet das erste Buch über Rolando Villazón, nun ist also Kaufmann an der Reihe....

Mitsingen erwünscht

Spätestens seit die massenmediale Grundversorgung via Internet den hinterletzten Haushalt erreicht, gehört das Singen nicht mehr zu den Kernkompetenzen des Alltagslebens. Zumal der Nachwuchs lässt sich lieber auf dem iPod oder auf Youtube etwas vorträllern, als selbst die Stimme auszuprobieren.

Hausmusik am Wochenende? Fehlanzeige. Ein Klavier im Wohnzimmer? Kaum...

Schöpferisch konzeptionell

In Berlin verstarb der Bühnenbildner Reinhart Zimmermann, jahrzehntelang Ausstattungsleiter der Komischen Oper als Nachfolger Rudolf Heinrichs, dessen Assistent er gewesen war. Er hat unser
Musiktheater wesentlich mitgeprägt, in Zusammenarbeit mit Walter Felsenstein, Götz Friedrich, Michael Heinicke, Harry Kupfer, mir und anderen.

Als Rudolf Heinrich uns nach der...