Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt
Sterben? Für eine schlechte Sache? Nein, sagt der Dichter und schreibt ein Poem, welches sich gegen die Gräuel des Ersten Weltkriegs richtet, zugleich aber grundsätzlich nach dem Wesen von Leben und Tod fragt. Man schrieb das Jahr 1917, da lieferte Puccinis Librettist Giuseppe Adami die Vorlage für das Lied «Morire?». Dieser nutzte es zu einem leidenschaftlichen Lamento, das wie eine Antizipation von Liùs flehentlichem Bitten in «Turandot» anmutet (und uns in der revidierten Fassung von Puccinis «Rondine» ebenfalls wiederbegegnet).
Lang, seufzend ist die Gesangslinie, windet sich fragend, zweifelnd hinauf in schmerzliche Höhen, um schließlich, vom Klavier im Stich gelassen, außer sich zu geraten.
Für Krassimira Stoyanova ist diese Dramaturgie der Verdichtung perfekt, das hat sie bereits mit ihrem Verismo-Album gezeigt (OW 03/17). Sie weiß genau, an welcher Stelle ein kleines diminuendo, ein winziges agogisches Zögern angeraten ist, wann (und wie) die Stimme aus der klaren Deklamation ins Schmachtende zu wechseln hat, um die vom Komponisten gewollte Wirkung zu erzielen: den großen Schmerz einer kleinen Seele. Sie kann aber auch anders. Leichter, frohgemuter, beschwingter. Puccinis ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 29
von Jürgen Otten
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58. Jahrgang, Nr 5
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