Herzschmerz
Am Ende durfte er sie doch noch in die Arme schließen. Drei Akte lang hatte Angela Gheorghiu auf der Konzertbühne der Deutschen Oper als Cileas Adriana Lecouvreur die unnahbare Diva gegeben. In stahlgrau schimmernder Robe, mit manierierter Gestik und extrovertierter Stimme. Die dunklen Töne der Verzweiflung, das Höhenfeuer der Eifersucht, das zum Ausdrucksmittel stilisierte Luftholen, die gestelzte Deklamation – Gheorghius Kunstwesen genügte sich eigentlich selbst.
Doch weil ihr Maurizio Jonas Kaufmann hieß und in der hier besprochenen Aufführung obendrein gegen eine Erkältung ansingen musste, legte sie ihren Ego-Panzer in den letzten vier Nummern für den klangschön und nuanciert, doch mit einigem Druck singenden Startenor endlich ab. Da war es um sie freilich schon geschehen – vergiftet von der Nebenbuhlerin. Fast hatte ihr Anna Smirnova als stimmmächtige Fürstin von Bouillon schon vorher die Schau gestohlen: Die Russin ging die Partie mit so viel gefühlsechtem dramatischen Furor an, dass ihr der Szenenapplaus schon nach der Arie zu Beginn des zweiten Akts («Acerba volutta») entgegenbrandete. Ein vom Publikum nicht minder honoriertes Meisterstück an differenzierender ...
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Clemens Krauss ist zweifellos einer der wichtigen Dirigenten des 20. Jahrhunderts, aber auch eine Reizfigur. Letzteres vor allem deswegen, weil er ab 1936 die Münchner Oper leitete und sich noch 1942 zum Chef der Salzburger Festspiele erklären ließ. Sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren und Kollegen zu ersetzen, die um ihre Stellung gebracht wurden...
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