Herunter vom Podest
Frau Schäfer, szenische Annäherungen an Schuberts «Winterreise» haben derzeit Hochkonjunktur. Sie haben die vierundzwanzig «schaurigen Lieder» in einem Duisburger Industriebau gesungen. Worin besteht für Sie der dramatische Impetus dieses Zyklus?
Ich finde, dass die «Winterreise» gar nicht so schaurig und tragisch ist, wie immer behauptet wird. Natürlich ist der Abschied des Erzählers aus seiner vertrauten Lebenswelt schmerzlich, aber er geht aus freien Stücken. Es sind nicht die anderen, die ihn fortschicken, er entscheidet, alles hinter sich zu lassen.
Hier spricht ein Mensch, der nicht in die Gesellschaft passt, in die er hineingeboren wurde, und der irgendwann auch nicht mehr dazugehören will. Er ist eher ein Verlassender als ein Verlassener, eine autarke Persönlichkeit. Das ist für mich ein entscheidender Aspekt, der meist unter den Tisch fällt.
Können Sie den künstlerischen Mehrwert beschreiben, den Sie mit einer Darbietung unter Videobildern, auf der «Bühne» eines Boxrings verbinden?
Indem zum Beispiel auf den Videoleinwänden Menschen von heute zu sehen waren, entstand sozusagen eine Beziehung zwischen den beinahe zweihundert Jahre alten Texten Wilhelm Müllers und unserer ...
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Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Thema: Szenische Liederabende, Seite 34
von Albrecht Thiemann
Der Erfurter Oper ist mit diesem «Rosenkavalier» ein Wurf gelungen! Die Szene befragt die «Komödie für Musik» hintersinnig, entfaltet kluge Opulenz und gibt doch dem Theater, was des Theaters ist: in einer Welt zwischen kunstvoller Erfindung und dem Hofmannsthal’schen «Hätte durchaus so sein können». Die Wahrheit, die dieses Stück jenseits seiner funkelnden...
Die Zuschauer auf den Plätzen vorne links, sonst bestens bedient, haben diesmal das Nachsehen: Anthony Pilavachi stellt ihnen ein Fernsehgerät vor die Nase und verbaut ihnen, da seine Personalregie der Bodenakrobatik verpflichtet ist, einige der interessantesten Einsichten – etwa, wie nahe sich Konstanze und der Bassa denn nun wirklich kommen. Schade, denn die...
Seit mehr als einem Dutzend Jahren ist «der Klotz» eine Art Bibel für alle geworden, die sich beruflich oder zum Vergnügen mit der Operette beschäftigen. Die erste Auflage (1991, 756 Seiten) skizzierte anhand repräsentativer Beispiele das Profil der Gattung (Stoffe, Personal, Dramaturgie) und stellte 106 Werke in Inhaltsangaben und textlich-musikalischem Kommentar...
