Herausfinden, was zwischen den Noten steht

Die lettische Sopranistin Kristine Opolais über ihr Selbstverständnis als singende Schauspielerin, die Arbeit mit Regisseuren und Dirigenten, Schwierigkeiten mit Mozart und ihre Lust auf Puccini. Ekkehard Pluta traf sie in Riga am Tag nach der Premiere von «Eugen Onegin»

Frau Opolais, Sie haben Tatjana in Riga schon in einer früheren «Eugen Onegin»-Inszenierung gesungen. Worin unterscheiden sich die beiden Produktionen?
Der Unterschied liegt vor allem in meinem Gefühl für die Rolle. Die frühere Produktion, die etwa sieben Jahre zurückliegt, war nicht so modern, eigentlich ganz konventionell. Ich war damals fast ganz auf meinen Gesang konzentriert. Jetzt stand für mich die Figur der Tatjana im Vordergrund, eine sehr tief veranlagte Person. Sie hat nichts mit irgend jemand in der Familie gemein.

Es gibt eine Menge Farben in ihrem Charakter, und diese Farben herauszuholen, diese Wechsel vom Anfang über die Briefszene bis zum letzten Akt, wo Tatjana eine starke Frau geworden ist, im Spiel darzustellen, hat mir auch beim Singen ungemein geholfen.

Ihre Tatjana ist in dieser neuen Inszenierung sehr introvertiert, gar nicht romantisch, ein bisschen krank…
Ja, sie verschließt sich gegen die Außenwelt, gegen die Familie. Gefühl kann sie nur zeigen, wenn sie allein ist. Das große Bett, wo sie mit ihrem Laptop hockt, ist ihre Welt.

Und wie ist es in der Schlussszene: Liebt sie Onegin noch?
Ja, sie liebt ihn noch. Oder sie liebt die Erinnerung an diese Liebe. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Interview, Seite 26
von Ekkehard Pluta

Weitere Beiträge
Johannes Somary

Der 1935 in Zürich geborene Musiker wanderte 1940 mit seinen Eltern in die USA aus und studierte an der Yale University Orgel, Komposition und Dirigieren. In den 1960er-Jahren pflegte er ein Repertoire, das von Schütz, Händel, Schubert und Bruckner bis Hindemith reichte. Einen Namen machte sich Somary mit Interpretationen von Händel-Oratorien sowie seinem Einsatz...

Im Focus der Ausgabe Februar 2011

Franz Lehárs neureiche «Lustige Witwe» fegt meist als fesch-selbstbewusste Landpomeranze über die Bühne, die höchst unterhaltsam heiratswillige Männer abblitzen lässt. Wenn ein Regisseur wie Christof Loy dem fidelen Operetten-Personal auf die Finger schaut, schießt die Sache freilich über reine Gaudi hinaus – auch weil er darauf achtet, dass die Sängerinnen und...

Mit leichter Hand


Die Titel seiner Bühnenwerke heißen «Leonore 40/45», «Penelope», «Schule der Frauen», «La Forêt», «Freispruch für Medea». Für einen viel beschäftigten Opernintendanten waren es beachtlich viele Werke. Rolf Liebermann war zeitlebens persönlich gut organisiert. Keine Zeitverschwendung. Nur so war es möglich, dass er als Intendant der Hamburgischen Staatsoper und...