Hell, klar, transparent

Bohuslav Martinůs «Ariane» mit Simona Šaturová und den Essener Philharmonikern unter Tomáš Netopil

Nicht das mythische Wesen wird hier gemordet, sondern anderes, womöglich Schlimmeres. Als Theseus dem Minotaurus gegenübertritt, erblickt er seine eigene Gestalt. Ich, ein anderer: Erst seine dunkle, animalische Seite muss der Held bezwingen, damit er wieder fort kann. Wer dabei auf der Strecke und zurückbleibt, ist eine Frau – Ariane, so heißt sie hier, hatte sich in beide verliebt. An dieser, mit vielem Freud’schen Thesen- und Erkenntnisstoff angereicherten Ariadne-Version von Georges Neveux («Le Voyage de Thésée») entzündete sich einst die Fantasie von Bohuslav Martinů.

1958, drei Jahre vor seinem Tod und parallel zur «Griechischen Passion», schrieb er den französischsprachigen Einakter, der sich auf den entscheidenden Moment des Theaterstücks konzentriert.

«Ariane» ist wie viele andere von Martinůs über 15 Opern durchs Raster gerutscht. 1961 wurde der 45-Minüter in Gelsenkirchen uraufgeführt, 2009 gab es zum Beispiel eine Inszenierung in Luzern, 2016 eine in Moskau, ein Jahr zuvor eine konzertante Berliner Produktion beim Deutschen Symphonieorchester, in zeitlicher Nähe zu einem ebenfalls konzertanten Projekt in Essen. Letztere Aufführung wurde mitgeschnitten, es ist damit ...

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Opernwelt März 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 38
von Markus Thiel