Heiterkeit der letzten Dinge

Hans Neuenfels und seine Bilderwelt

Was nützt das Hören mit den Augen in Gedanken? Bilder halten uns beim Erinnern gern zum Narren. Sie verändern sich, die stärkeren überlagern die schwächeren, einige wachsen, pumpen sich auf, andere werden blasser und verschwimmen, und vieles verschwindet ganz. Dabei passiert es gerade bei Opernwerken, die wir besonders oft zu erleben Gelegenheit haben (da ja der Kanon des tatsächlich Aufgeführten immer kleiner wird), dass sich die Bilder lösen von Stück und Musik.

War es in der «Cosí» oder im «Lohengrin», dass die Spiegelbilder lebendig wurden? Ach nein, es war die «Entführung». Saß da Pamina gefangen im Einmachglas, oder war es Violetta? Nicht doch, es war Gilda.
So stark ist die Macht der Bilder geworden, seit das Regietheater auf der Opernbühne in die zweite Generation ging, dass ihre Vielfalt leidet und sich eine gefährliche Tendenz zum Immergleichen abzeichnet. Viele Chiffren wirken in der Wiederholung nur noch wie Mätzchen, wie Klischees oder, schlimmster Verdacht: wie Dekor. Was früher der üppige Faltenwurf war oder die antike Säule, das sind heute auf den Opernbühnen die Kunsthaarblondperücken im Bubischnitt, die Militärmäntel, Scheinwerfer, die forschend ins Publikum ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2008
Rubrik: Regisseure des Jahres, Seite 60
von Eleonore Büning

Vergriffen
Weitere Beiträge
Instandgesetzt

Fünfzig Makel in neununddreißig Minuten. Risse, Schmutz, Wasserflecken, Drop-Outs, Tonschwankungen, verblasste Farben, Unschärfen. Eine kapitale Mängelliste. Dabei war der 1969 belichtete «Othello»-Streifen nicht einmal der gravierendste Problemfall, den die Spezialis­ten der Hallenser Firma Digital Images während der Instandsetzungsarbeiten für jene DVD-Edition zu...

Alterswerk, hochgestimmt

Zur Premiere von «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe» in Salzburg 2003 hatte der 77-jährige Henze verlauten lassen, dass er keine weitere Oper schreiben werde; vier Jahre später fand die Uraufführung seiner neuen abendfüllenden Oper «Phaedra» in Berlin statt.1 Ist es nicht erfreu­lich, dass auf jene frühere Aus­sage des Komponisten kein Verlass war? Mit...

Verspielte Möglichkeiten

14. April 2008: high noon im Kulturausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses – der Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit mit seinem Staatssekretär André Schmitz, die Fraktionen des Landtags, der Generaldirektor der Stiftung Oper in Berlin Stefan Rosinski, die Intendanten Peter Mussbach (Staatsoper), Kirsten Harms (Deutsche Oper), Andreas Homoki...