Handel's Queen
Die Frau spinnt. Scheint völlig neben der Spur zu sein. Vermutlich eine Nymphomanin. An jedem Typen, der vorüberkommt, schnüffelt sie herum wie an einer Linie Koks; ob alt oder jung (der Typ, nicht das Kokain), spielt keine Rolle. Kein Zweifel kann daran bestehen, dass diese Morgana in ihrem Leben vor allem ein Ziel hat, und das besteht darin, Männer zu verführen. Also rennt Alcinas Punk-Schwester. Rennt in ihrem durchscheinend-dunkelblauen Vintagekleid, mit coolschwarzen Doc Martens an den Füßen über die Bühne – jedoch nicht um ihr Leben, sondern dem «Joy of Sex» hinterher.
Nur einen übersieht sie lange Zeit, und das ist ausgerechnet jener Mann, der sie aufrichtig liebt.
Für Mary Bevan scheint die Partie wie gemacht. Sie verlangt Spielfreudigkeit und Schnelligkeit nicht nur im Vokalen, sie verlangt Agilität, Flexibilität, Variabilität. Und sie liegt hoch. Etliche Male umkreist Morganas Tessitur das zweigestrichene a, nicht selten ist in der Partitur davor ein gewaltiger Sprung aufwärts notiert. Doch die englische Sopranistin fliegt über diese Bergwelten in Händels «Alcina» mit rhetorisch eleganter Leichtigkeit hinweg. Gefragt, wie viel Prozent von Morgana in ihr selbst wohnen, ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: Porträt, Seite 48
von Jürgen Otten
Wo ist die Bühne? Außen oder innen?», fragt der Schauspieler und Tänzer Nicolas Franciscus (auf Ungarisch) im Prolog zu Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» am Theater Basel. Christof Loy mag vor allem Bilder, die im Inneren des Betrachters entstehen. Deshalb meidet er auch in dieser Regiearbeit, einer Koproduktion mit dem Teatro Real in Madrid, ein allzu...
Herr Shchetynsky, was ist «ukrainische Musik»?
Man könnte sagen, dass ukrainische Musik eine Art riesiges Auffanglager der Weltkulturen ist. Die heutige ukrainische Musik umfasst alle Genres – Musiktheater, symphonische Werke, aber auch Kammermusik und Solokompositionen. Ich spreche jetzt nur von der zeitgenössischen klassischen Musik. Auf diesem Gebiet arbeite ich...
Auf die weit aufgerissene, bis zu den Brandmauern leere Bühne treten zu Leonard Bernsteins das Leben lobpreisender Ouvertüre allerhand Menschen in bunt-diverser Kleidung. Sie könnten sich gerade zu einer Chorprobe hier im Opernhaus versammeln, nehmen sie doch auf einer sich über die ganze Portalbreite ausdehnenden Stuhlreihe Platz und beobachten, was Einzelne von...
