Halbherzig
Dresden hat ein zweites Opernhaus. Genau genommen befindet sich der Stammsitz der Landesbühnen Sachsen zwar in Radebeul, einer selbständigen Kreisstadt westlich von Dresden, aber das ist nur ein Katzensprung. Dazu kommt, dass die Landesbühnen mit ihren Inszenierungen gern auf Reisen gehen – zum Beispiel in den Zwinger. Gegründet 1945, bieten sie Konzerte, Ballett, Sprech- und auch Musiktheater. Im Repertoire sind, wenn auch nicht ständig zu hören, «Freischütz», «Fidelio», «Land des Lächelns» oder «Don Pasquale».
Jetzt hat das Haus eine Rarität gehoben: «Faust» – nicht etwa von Gounod, sondern von Louis Spohr.
1816 hat Carl Maria von Weber das Werk erstmals in Prag dirigiert und ihm vermutlich auch Anregungen für seinen «Freischütz» entnommen. In der Entwicklung der romantischen Oper war Spohrs Stück tatsächlich ein wichtiger Schritt, allerdings hat es Schwächen, die klarmachen, warum sich dieser «Faust» nicht in den Spielplänen etablieren konnte. Nachdem die Ouvertüre die Emotionen in die Höhe gepeitscht hat, folgt etwa eine Chill-Out-Szene, die Fausts Überdruss an der Welt musikalisch ausdrücken soll, dramaturgisch aber höchst unglücklich zur Eröffnung des Stücks platziert ist. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als «Simon Boccanegra» 1857 zur Uraufführung kam, war Verdi seiner Zeit zu weit voraus, um beim Publikum und bei den Impresari punkten zu können. Das Fiasko in Venedig wollte er nicht auf sich sitzen lassen, und so arbeitete er das Werk – unter Verwendung zahlreicher dramaturgischer Eingriffe von Arrigo Boito – zu einer Art italienischem «Boris» um. Diese Version...
Der Umgang mit den sechs bruchstückhaft überlieferten Opern ist die heikelste Frage, die sich der Vivaldi-Edition des Labels Naïve stellt. Soll man nur die erhaltenen Teile einspielen und es bei Fragmenten belassen? Oder doch die verloren gegangenen Arien durch «Leihgaben» aus anderen Werken Vivaldis ergänzen, so wie es beispielsweise Jean-Claude Malgoire in seiner...
Krass auseinanderdriftende Premierenkritiken, heftige Publikumsreaktionen noch in der dritten Vorstellung: Den Titel der «umstrittensten Produktion der Saison» dürfte die Komische Oper für ihren neuen «Fidelio» sicher haben. Nach den letzten, erschreckend belanglosen Premieren («Don Pasquale», «Orlando») kann man das immerhin als Lebenszeichen werten – ob der...
