«Gute Kunst ist immer aktuell»

Beiläufigkeit oder Bequemlichkeit gibt es für ihn nicht. Christian Gerhaher legt alles auf die Waagschale, das hört man in seinem Gesang, das merkt man seinen Rollencharakterisierungen an. Als stets kritisch denkender Künstler beschäftigt sich der Bariton naturgemäß auch mit dem Geschehen abseits der Bühne. Ein Gespräch über politische Künstler, eitle Regie, Gesinnungsprüfungen in der Opernszene und die Besiedelung des Mars

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Herr Gerhaher, der Bühnenverein hat vor einiger Zeit mitgeteilt, dass Theater und Konzertsäle über 80 Prozent Auslastung melden, manche Häuser sprechen sogar von weit über 90 Prozent. Ist die Krise ist überwunden?
So etwas hört man. Die Frage ist nur, wie belastbar diese Zahlen sind. Es könnte ja auch bedeuten, dass viele kommen – aber manche nicht zahlen müssen. Allerdings glaube ich tatsächlich im Lied-Bereich zu bemerken, dass sich die Veranstalter nach der Pandemie wieder stabilisiert haben, auch dass mehr junge Menschen im Publikum sind.

Aber das ist natürlich nur mein Eindruck. Vielleicht geht es mit dem Kunstlied auch bergab, und ich sehe es noch nicht ganz realistisch. Ganz allgemein aber finde ich in diesem Zusammenhang: Das mit dem zopfigen Zeug könnte jetzt aufhören. Damit meine ich die Haltung, dass etwas rein aus Tradition heraus veranstaltet wird. Ich bin hier für eine Radikalität – aber nicht im Sinne einer Umdeutung, einer Aktualisierung. Die Kunst, die ja existenzielle Dinge anspricht, muss sich auch als solche zeigen dürfen. Und ich finde, sie gehört einfach nicht in den Bereich der Unterhaltung und Dekoration gesteckt.

Aber ist es nicht vielmehr so, dass sich ...

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Opernwelt Februar 2024
Rubrik: Interview, Seite 32
von Markus Thiel

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