Groucho auf Naxos

Strassburg: Strauss: Ariadne auf Naxos

Opernwelt - Logo

Zunächst denkt man sich: nicht übel, das alles; aber eben auch naheliegend, das, was man im Vorspiel der «Ariadne auf Naxos» halt so macht, vielleicht beim Komponisten und dem Musiklehrer sogar allzu bewusst ausgestellt.

Doch solche Gedanken werden mehr und mehr verscheucht von der Art, wie Strauss' und Hofmannsthals Schöpfung an der Opéra national du Rhin daherkommt: hellwach, mit großer Neugier auf die Gestalten, auf das, was sich zwischen ihnen begibt, auf das allmähliche Interesse, das die eine (auf Nicky Rietis zur Renovierung anstehender Villa oder der Felseninsel) in dem anderen weckt – was bald auch heißt: auf das, was die Sache der einen in dem anderen weckt. Immer mehr ist man von der spürbar peniblen Sorgfalt beeindruckt, mit der da szenischer und musikalischer Anteil sich gegenseitig befruchten, ja, beschwingen und immer so deutlich erzählen, dass die Aufführung für den «Ariadne»-Neuling als ideale Erstbegegnung mit dem Werk taugen kann. Stärkstes Indiz: die ungewöhnlich hohe Textverständlichkeit.

Inszeniert hat André Engel. Was ihn offenbar am meisten beschäftigt, ist das zentrale Thema der Verwandlung. Der Kuss Zerbinettas für den verdatterten Komponistenjüngling, die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2010
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wohin mit dem Kaiser?

Erst steht er in Socken da, der Ex-Soldat. Später, wenn die Fronleichnamsprozession durch Brügge zieht und plötzlich zu einer Art Totentanz mutiert, gibt er den Zeremonienmeister im Frack. Doch am Ende geht er, geläutert und aufgeräumt, ganz normal von der Bühne. Das Schicksal von Paul könnte der Romantik entstammen: der Träumer, der seine tote Frau herbeiwünscht...

Getanzte Märchenwelt

In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen.  Sie...

Mama wird’s schon richten

So machen’s eben doch nicht alle! Noch bevor Lorenzo da Ponte in «Così fan tutte» die weibliche Treue grundsätzlich infrage stellte, entwarf er in «Una cosa rara» ein Gegenbild: Es sei zwar sehr selten, aber es komme doch vor, dass «bellezza ed onestà» zur Synthese finden. Das gute Beispiel gibt die Bäuerin Lilla, die allen Anfechtungen zum Trotz ihrem...