Großer Spaß
Diese grandiose Groteske, die György Ligeti nach der Vorlage des flämischen Dramatikers Michel de Ghelderode schuf, lässt offen, wer in diesem absurden Theater nun wirklich der personifizierte Tod des Werktitels ist.
Ein charismatischer Gaukler, der all den schrägen Gestalten des heruntergekommenen imaginativen Breughel-Lands einen höllischen Schrecken einjagen will und ihnen den Spiegel vorhält? Ein manipulativer Taschenspieler, der mit allzu menschlichen Ängsten spielt? Oder doch ein demagogischer Scharlatan, der dem dekadent verblödeten Volk sogar die Lüge vom nahenden Weltuntergang auftischen kann?
Martin G. Berger stellt uns den großen Makabren in seiner Schweriner Neuinszenierung als Avatar vor, der in staksigem Gang aus einem Videospiel heraus- und in die Opernhandlung eintritt. Möglich macht dies das spätpubertierend langhaarige Söhnchen von Domina Mescalina und ihrem spießigen Astronomengatten Astradamors. In seinem Kinderzimmer sehnt sich der Knabe angesichts einer hyperkomplex gewordenen Welt nach den einfachen Antworten seiner Comic-Heroen. So ein krasser Antiheld wie Nekrotzar müsste es jetzt richten. «Der Junge» als hier hinzuerfundene Figur von Ligetis ...
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Opernwelt November 2021
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Peter Krause
In der Causa Isolde herrscht im Grunde Einigkeit: Diese Rolle zu singen, ist unglaublich schwierig, psychisch wie stimmlich über alle Maßen anstrengend. Catherine Foster tritt in Füssen den Gegenbeweis an: Plötzlich wirkt all das Schwere so leicht, naturhaft, ursprünglich. Gebannt hängen wir an den Lippen ihrer irischen Königsbraut, erleben, wie sie sich aus ihrer...
Nach ihrem 2018 erschienenen Album mit Liedern des Spätromantikers Hans Sommer sind Constance Heller und Gerold Huber erneut im Bereich Raritäten fündig geworden – Lieder jüdischer Komponisten aus dem Exil, die hierzulande weitgehend unbekannt blieben. Wie viele der nach 1933 vertriebenen Künstler sind sich Paul Ben-Haim (1897–1984), Paul Dessau, Kurt Weill und...
In einem Frankfurter Vorort irritiert das Plakat «Heimatboden statt Beton»: weniger wegen des Vorbehalts gegenüber dem Beton, der zur «Versiegelung» der Landschaft beiträgt (und somit auch zu manchen Überschwemmungs-Katastrophen), vielmehr des unbefangenen Umgangs mit nicht ganz unbelasteten Wörtern wie «Heimat» und «Boden» wegen, die zumindest im Zusammenhang mit...
