Griechische Passion

Trotz Maria Callas und Dimitri Mitropoulos: In Griechenland hatte die Oper immer etwas von Import – und ­einen schweren Stand. Seit Athens Megaron eröffnet wurde, ändert sich das langsam durch Gastspiele ­internationaler Stars. Nun soll daneben die Nationaloper Grundversorgung auf hohem Niveau garantieren. Die folgenden Seiten berichten von den komplementären Opernhäusern der griechischen Hauptstadt. Und von der jüngsten Premiere: Strauss’ «Elektra» mit Agnes Baltsa, Nadine Secunde und Inga Nielsen

Athens Megaron ist nicht irgendein Ort, um «Elektra» zu spielen. Das historische Mykene liegt nur eineinhalb Autostunden entfernt. Wenn die Mythe nicht lügt (was sie laut Ernst Bloch gern tut), dann kann man sich dort das Badezimmer vorstellen, in dem Agamemnons Schädel gespalten wurde – von seiner Frau. Hügelabwärts liegen die Tholosgräber der Atridensippschaft. Was Heinrich Schliemann hier fand, ist in Athens Nationalmuseum ausgestellt. Besonders natürlich jenes hauchdünne Goldporträt, das er für die Maske des Agamemnon hielt.

In den Südhang der Akropolis schmiegt sich das Dionysos-Theater. Dort kam die grausame Logik des Elektra-Stoffes erstmals auf eine Bühne. Sophokles forderte mit seiner Radikalver­sion Dutzende von Bearbeitern heraus, darunter Voltaire, Giraudoux, Sartre, Gerhart Hauptmann und Hofmanns­thal. Des Letzteren psychologisch hochgerüstete Version wiederum war ein gefundenes Fressen für Richard Strauss, der nicht nur das Selbstbild des «griechischen Germanen» pflegte, sondern mit malträtierten Köpfen bereits Erfahrung und Erfolg gesammelt hatte: Nur ein Stoff wie «Elektra» konnte «Salome» toppen. Von den vier Theatersälen, über die Athens Kultur- und ...

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Opernwelt April 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Stephan Mösch, Jörg Königsdorf

Vergriffen
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