Gott, welch Dunkel hier!

Das Festival «Freie Frauen?» an der Opéra National de Lyon verklammert Paul Dukas’ «Ariane et Barbe-Bleue» mit Béla Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg»

Für Catherine Clément war die Sache eindeutig. «Besiegt, verraten und verkauft» untertitelte die französische Feministin und Philosophin ihr Buch über «Die Frau in der Oper» aus dem Jahr 1992. Und lag damit grosso modo absolut richtig. Wohin das Auge schaut, das Ohr hört, der Geist sich wendet – in den meisten Fällen betraten Frauen seit Erfindung dieser Gattung die Bühne als Opfer, um sie als solche auch wieder zu verlassen, nicht selten in Leinentücher gehüllt, mit Lilien bekränzt.

Und selbst wenn sie zu Täterinnen sich verwandelten, geschah dies in der Regel eher aus der Not der Verzweiflung heraus denn aus Machtansprüchen, siehe Katerina in Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk«, um nur ein besonders prominentes Beispiel anzuführen. Freie Frauen? Gab und gibt es eher selten.

Insofern passte der nämliche Titel des Festivals an der Opéra National de Lyon, das in diesem Jahr natürlich nicht live stattfinden konnte, mit Vorträgen, Panels und verschiedenen anderen digitalen Formaten aber zumindest den Versuch unternahm, den gesellschaftlichen Diskurs über die nach wie vor anhaltende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern zu befruchten. Schade nur für all diejenigen, die ihr ...

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Opernwelt Mai 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Jürgen Otten

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