Goldener Mittelweg

Mozart: Die Zauberflöte
Dijon | Auditorium

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Als sich zur Ouvertüre der Vorhang im Auditorium de Dijon hebt, glimmt Hoffnung auf: neues Konzept! Eine Rückblende deutet darauf hin, dass Sarastro eigentlich Paminas Vater ist und Papageno deren früh verlassener Bruder. Die Handlung spielt nach einer Umweltkatastrophe: Die Welt ist zur Wüste geworden, sämtliche Relikte der kapitalistischen Wirklichkeit liegen hier begraben. Verheißungsvoller Auftakt. Was jedoch folgt, ist eine anekdotische, konventionelle Regie in moderner Dekoration.

Musikalisch erweist sich der Abend als beachtlicher Gewinn.

Dass Christophe Rousset die «Zauberflöte» zum ersten Mal dirigiert, ist nicht zu spüren, so schlüssig, stringent gerät die Wiedergabe. Am Pult seines Ensembles Les Talens Lyriques setzt Rousset nicht dogmatisch auf «authentische» Aufführungspraxis, sondern verleiht der Musik natürlichen Fluss. Sein Mozart klingt federnd, unverkrampft, nie leichtfertig oder oberflächlich. Die Dramaturgie der Tempi hält beständig die richtige Balance zwischen pulsierendem Drive und kontemplativer Tiefe. Daraus ergibt sich eine höchst lebendige Interpretation, die weder ins Barock zurückblickt noch die Romantik vorwegnimmt: ein goldener Mittelweg, der bisher ...

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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Christian Merlin

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