Goldener Mittelweg
Als sich zur Ouvertüre der Vorhang im Auditorium de Dijon hebt, glimmt Hoffnung auf: neues Konzept! Eine Rückblende deutet darauf hin, dass Sarastro eigentlich Paminas Vater ist und Papageno deren früh verlassener Bruder. Die Handlung spielt nach einer Umweltkatastrophe: Die Welt ist zur Wüste geworden, sämtliche Relikte der kapitalistischen Wirklichkeit liegen hier begraben. Verheißungsvoller Auftakt. Was jedoch folgt, ist eine anekdotische, konventionelle Regie in moderner Dekoration.
Musikalisch erweist sich der Abend als beachtlicher Gewinn.
Dass Christophe Rousset die «Zauberflöte» zum ersten Mal dirigiert, ist nicht zu spüren, so schlüssig, stringent gerät die Wiedergabe. Am Pult seines Ensembles Les Talens Lyriques setzt Rousset nicht dogmatisch auf «authentische» Aufführungspraxis, sondern verleiht der Musik natürlichen Fluss. Sein Mozart klingt federnd, unverkrampft, nie leichtfertig oder oberflächlich. Die Dramaturgie der Tempi hält beständig die richtige Balance zwischen pulsierendem Drive und kontemplativer Tiefe. Daraus ergibt sich eine höchst lebendige Interpretation, die weder ins Barock zurückblickt noch die Romantik vorwegnimmt: ein goldener Mittelweg, der bisher ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Christian Merlin
Karl und Monika Forster haben sich zusammen einen Namen gemacht, und das nicht nur im übertragenen Sinn. Der Name steht in der Bilddatei, oft auch in der Zeile, die den Urheber jedes Bildes ausweist. Und da steht dann: Karl Monika Forster – ein Name für zwei Fotografen, als wäre das Paar, das seit vielen Jahren im gesamten deutschsprachigen Raum etwa für Regisseure...
Die Geschichte vom Kaufmann, der seine in einen Mittellosen verliebte Tochter auf Teufel komm raus mit einem reichen Geschäftspartner aus dem Ausland verheiraten will, welcher aber dankend verzichtet und das Glück der Liebenden begründet, wurde schon in Rossinis einaktiger Farsa «La cambiale di matrimonio» (1810) behandelt. In Donizettis früher Buffa «Olivo e...
Ein heikles Stück. Der Regie verlangt es alles ab. Vier schwierige Protagonisten hat Brittens 1973 vollendete, letzte Oper «Death in Venice», von denen die Hauptperson, der Schriftsteller Gustav von Aschenbach, überwiegend zum Klavier monologisiert, während Nummer zwei gleich sieben verschiedene Figuren darstellt, die dritte als Stimme des Apollo eine Maske ist und...
