Goldener Mittelweg
Als sich zur Ouvertüre der Vorhang im Auditorium de Dijon hebt, glimmt Hoffnung auf: neues Konzept! Eine Rückblende deutet darauf hin, dass Sarastro eigentlich Paminas Vater ist und Papageno deren früh verlassener Bruder. Die Handlung spielt nach einer Umweltkatastrophe: Die Welt ist zur Wüste geworden, sämtliche Relikte der kapitalistischen Wirklichkeit liegen hier begraben. Verheißungsvoller Auftakt. Was jedoch folgt, ist eine anekdotische, konventionelle Regie in moderner Dekoration.
Musikalisch erweist sich der Abend als beachtlicher Gewinn.
Dass Christophe Rousset die «Zauberflöte» zum ersten Mal dirigiert, ist nicht zu spüren, so schlüssig, stringent gerät die Wiedergabe. Am Pult seines Ensembles Les Talens Lyriques setzt Rousset nicht dogmatisch auf «authentische» Aufführungspraxis, sondern verleiht der Musik natürlichen Fluss. Sein Mozart klingt federnd, unverkrampft, nie leichtfertig oder oberflächlich. Die Dramaturgie der Tempi hält beständig die richtige Balance zwischen pulsierendem Drive und kontemplativer Tiefe. Daraus ergibt sich eine höchst lebendige Interpretation, die weder ins Barock zurückblickt noch die Romantik vorwegnimmt: ein goldener Mittelweg, der bisher ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Christian Merlin
Wer würde schon hinter Wörtern wie Opium oder Parfüm die Titel musikalischer Anthologien erahnen? Oder gar ein «Konzept» hinter dem Wort «Heimat», das Benjamin Appl für seine Debüt-CD bei Sony gewählt hat. Auf die Frage, um welche Heimat es geht, geben die 25 Lieder deutscher, französischer, englischer und eines norwegischen Komponisten 1003 Antworten. Es gehe...
SABINE DEVIEILHE
Als «Königin der Nacht» macht sie schwer Eindruck, so sprühend, leicht und virtuos fliegt sie in höchste Höhen. Doch besteht das Repertoire der jungen französischen Koloratursopranistin nicht nur aus Partien Mozarts. Auch in den Opern Debussys, Delibes’ und Poulencs ist sie zu Hause. Ein Gespräch
ALBERTO GINASTERA
Sein Name, sein Werk ist nur...
Strauss? Ist das nicht der mit den Neujahrskonzerten? Schön, dass bei uns jetzt eine Oper von dem gemacht wird. «Ariadne auf Naxos»? Gab’s noch nie in Bodø. Wo, bitte schön? Na, oben in Nordland, zwischen Saltfjorden und Landegodefjorden. Bis zum Polarkreis rauf und dann noch mal 120 Kilometer Luftlinie.
Nicht nur für den Lokalreporter aus der abgelegenen...
