«Glücklichsein und tiefe Einsamkeit»
Anders als Bach, Mozart oder Beethoven hat Schumann mit seinen Biografen wenig Glück gehabt. Das letzte, zum Schumann-Jahr 2006 erschienene Buch von Martin Demmler («Ich hab’ im Traum geweinet») war gar ein intellektueller und sprachlicher Offenbarungseid – ein Text, der weder dem Menschen noch dem Musiker Schumann gerecht wird (statt die Restbestände dieses Opus schamhaft verschwinden zu lassen, bietet der Stuttgarter Reclam Verlag sie jetzt zum Sonderpreis feil). Schumann, das sei eingeräumt, hat es seinen Biografen allerdings auch schwer gemacht.
Er hat, so Peter Gülke, «noch einmal alles gewollt – bei den Gattungen, im Zugleich von Komposition und Musikschriftstellerei, von kreativer Egozentrik und rückhaltloser Bewunderung der Musik Anderer, im Beieinander von riskanter Künstler- und bürgerlicher Existenz.» Wer über Schumann nachdenkt und schreibt, muss nicht nur die Extreme eines weit verzweigten, komplexen Œuvres bewältigen, sondern sich auch mit schriftlichen Quellen (Briefen, Tagebüchern, Kritiken) von hohem literarischem Anspruch auseinandersetzen – eine Aufgabe, die angesichts der Lebenskatastrophe, ihrer Idealisierung, Verleugnung oder Verharmlosung durch die Mit- und ...
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«Utopie und Wahnsinn» lautet das Motto, unter das André Bücker seine erste Spielzeit als Intendant des Anhaltischen Theaters Dessau (nach der langen Ägide Johannes Felsensteins) gestellt hat – ein Motto, das den Kern von Theater, auch Musiktheater, durchaus treffend umschreibt. Dass Bücker für seine erste eigene Regie am Haus «Die Stumme von Portici» von Daniel...
Die Komische Oper Berlin macht es vor. Seit Beginn der Saison 2009/10 kann der Besucher an einem kleinen Videobildschirm zwischen deutschen und englischen Untertiteln wählen, eine Erweiterung auf zehn Sprachen ist in Planung. Was auf der einen Seite komfortabler Luxus für das internationale Publikum ist, stellt den fremdsprachigen Hörer auf der anderen Seite vor...
Das Ende bleibt offen. Kein Trauerflor in Moll, kein Silberstreif, keine Erlösungsharmonie. Wie ein Fragment, wie eine Frage verweht der letzte B-Dur-Akkord. Eine Quinte und Quart, übereinander geschichtet, in der Tiefe; ein dreigestrichenes D und ein zweigestrichenes F dominieren die Höhe. Der Grundton, ins Abseits gedrängt. Als ob man diesem Akkord nicht trauen...
