Glücklich vereint

Brüssels La Monnaie bringt Glucks «Iphigénie»-Opern unter der Leitung von Christophe Rousset und in der Regie von Pierre Audi an einem Abend

Iphigénie en Aulide», Glucks erste Reform­oper, wurde in Paris begeistert aufgenommen. Nur mit dem Schluss der Aulischen «Iphigénie» waren weder Gluck noch das Publikum wirklich zufrieden. Dass am Ende von zwei Stunden aufwühlendster Seelenentblößung der Oberpries­ter Calchas auf Geheiß der Göttin Diana die Entführung Iphigenies verkündet, lässt tatsächlich fast alle Fragen in diesem Konflikt zwischen Elternliebe und Gehorsam gegenüber den Göttern offen.

Dass Gluck ein Jahr später in einer überarbeiteten Version des Finales Diana als Dea ex Machina persönlich ihren Ratschluss verkünden ließ, ändert nichts an dem schalen Gefühl, dass sich der Komponist hier um eine verbindliche Handlungsdirektive drückte.

Die lieferte Gluck vier Jahre später mit seiner zweiten Iphigenie-Vertonung nach: Im Lande der skythischen Barbaren ringen sich Iphigenie, Orest und Pylades schließlich durch, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – und Diana bleibt nichts mehr übrig, als die beherzte Missachtung ihres Gebots huldvoll zu sanktionieren. Die Entmachtung der Götter wird, elf Jahre vor Beginn der Revolution, auf der Opernbühne bereits vollzogen.

Schon aufgrund dieser ideellen Verknüpfung liegt es ...

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Opernwelt Februar 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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