Glitzernd, durchlöchert
Aus den spiegelglatten Wassern des Planeten Solaris ragt eine zerschossene, bröckelnde Teleskopschale empor. Zu den ersten tastenden Klängen von Detlev Glanerts «Solaris» erhebt sich darin ein Mann und gibt sich die Todesspritze. Dieser (nicht singende) Gibarian ist das erste Opfer auf der Raumstation, auf der sich nicht nur Forscher und Abenteurer tummeln, sondern auch ihre personifizierten Triebe und Schuldkomplexe: tierartige Wesen, geile Zimmermädchen, Muttertiere.
Selbst der Besucher von außen, ein Forscher mit dem amerikanisch-schnittigen Namen Kris Kelvin (Nikolay Borchev mit sonorem Bariton und problematischer Diktion), begegnet nach einiger Zeit dem unbewältigten Problem seiner Vergangenheit in Gestalt seiner Frau Harey (als Typ und sängerisch ein Glücksfall: die nordirische Sopranistin Aoife Miskelly), die vor Jahren Selbstmord beging. So entspinnt sich ein Liebesgeflüster im Orbit, das wie alle Gefühle und Begegnungen auf dem «intelligenten» Planeten zum Scheitern verurteilt ist.
Auf diesen Handlungskern haben Detlev Glanert und sein vor Kurzem verstorbener Librettist Reinhard Palm Stanisław Lems Roman «Solaris» eingedampft. Vor zwei Jahren wurde die Oper in Bregenz ...
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Opernwelt Dezember 2014
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Struck-Schloen
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