Giulio Cesare in Egitto
Der Händel Schorsch, der schrieb ein Stück voll Wirren.
Abstrakt gesagt geht’s hier um einen Thron,
Um Liebe auch, um Kopf und Herz von Irren,
Um Hass und Macht und Tod, Pompeos Sohn.
King Cäsar reist zum Orient und trifft dort
Ne alte Heiße – und merkt bald: «Ich bin
Verliebt in sie, Cleopatra, mein Kraftort,
Du Eselsmilchbad-Influencerin!»
Die Cleo will sehr gern allein regieren,
Doch ist da noch ihr Bruder Tolomeo.
Das Stück: Es geht sehr lang, der Stunde vieren,
Man braucht Geduld, hat Durst und kein Deo.
Ich frag’ mich schon (derweil beginnt’s zu stinken):
«Ägypten es am Nil echt nichts zu trinken?»
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Arno Lücker
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel Smyth lassen Regisseurin...
Ein Mann zieht Resümee. Er ist 87, hat fast alles erlebt auf der Bühne, die manchmal auch die Bühne des Lebens ist – als Schauspieler, Regisseur, Intendant, Pädagoge und als Mensch. Nun blickt er zurück, und es ist ein Blick nicht im Zorn, sondern beinahe der des Philosophen Seneca aus Monteverdis «L’incoronazione di Poppea»: mild lächelnd, epikureischweise, ein Blick mit zarten...
Am wirkungsvollsten kommt der Chor zum Einsatz. Am Anfang ist die Menschenmenge das Meer selbst, ein schemenhaftes, ruhiges, aber unerbittliches Meer. Es schwappt im Halb-, im Dreivierteldunkel näher an den Bühnenrand, schwappt wieder zurück und speit schließlich Peter Grimes aus, der doch einer von ihnen ist, ein Mensch wie die anderen auch, der in der Inszenierung von Kay Link sogleich...
