Giordano: Andrea Chénier

Palermo

Eigentlich ist sie eine ihrer Paraderollen, die Maddalena in Giordanos Verismo-Melodram über klassensprengende Liebe und tödliches Leid zur Zeit der Französischen Revolution. Doch selbst eine Daniela Dessì schafft es offenbar nicht jeden Abend, mit einem durchaus dramatisch geladenen «Eravate possente» im zweiten Akt oder einer fragilen, auch in der Höhe zart fokussierten Verzweiflungsarie wie «La mamma morta» im dritten Funken zu schlagen.

Während die Premiere der aus Bologna ins Teatro Massimo übernommenen «Andrea Ché­nier»-Inszenierung dem Vernehmen nach nicht nur Dessì, sondern auch ihrem als Titelheld agierenden Bühnen- und Lebenspartner Fabio Armiliato stehende Ovationen bescherten, reagierte das Pub­likum am letzten der mit der Erstbesetzung ausgestatteten Vorstellungstage erstaunlich reserviert. Sizilianisches Temperament? Fehlanzeige.
Gewiss war das routinierte, wenig inspirierte, vor allem durch schleppende Tempi charakterisierte Dirigat Andrea Licatas nicht dazu angetan, irgendjemanden wirklich aus der Reserve zu locken. Und Giancarlo del Monacos an einem plüschigen Westend-Historismus à la «Les Misérables» orientierte Ausstattungsregie führt nur das Offensichtliche vor: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 60
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Bengston: Die Zofen

Die bühnenfüllende, bis ins Orchester sich hinabschwingende Freitreppe (Ausstattung: Sibylle Schmalbrock) wäre wie gemacht für den dritten «Arabella»-Akt. Sie signalisiert eher intaktes Großbürgertum, als dass sie die zwischen Traum und Wirklichkeit changierenden Brechungen dieses auf Jean Genet zurückgehenden Operneinakters des Schweden Peter Bengtson wiedergeben...

«Nur der blickt heiter der nach vorders schaut»

«Prima la musica, dopo le parole»? Diese Frage scheint sich bei Dietrich Fischer-Dieskau, der als «extrem textdeutlich» gilt, eigentlich zu erübrigen…
Durchaus nicht, denn das ist für mich bis heute eine der zentralen Fragen des Sängerberufes: Wie schaffe ich es, Töne und Worte, Singen und Sprechen in Einklang zu bringen? Und ich finde, so textdeutlich, wie man mir...

Bellini: Norma

Es ist immer ein Wagnis, «Norma» auf den Spielplan zu setzen. Die Titelrolle ist anspruchsvoll, vor allem droht der riesige Schatten von Maria Callas. Besonders gefährlich wird es, wenn man mit diesem Schatten kokettiert. Genau das versuchte Regisseur Guy Joosten in Amsterdam. In seinem Konzept ist «Norma» eine Oper über eine Operndiva. Die gallo-römische Handlung...