Gewalt und Leidenschaft
Er ist ein rücksichtsloser Gewaltmensch, der alternde Führer der ukrainischen Kosaken. Um sich politischen Einfluss und militärische Macht zu verschaffen, dient Mazeppa sich dem russischen Zaren an. Allerdings – sein politisches Ziel ist die Lösung der Ukraine aus der Bevormundung durch Russland und Polen. Dafür verbündet er sich selbst mit seinen Feinden – und stürzt tief: Am Ende hinterlässt er, selbst zum heimatlosen Flüchtling geworden, Tod, Elend und Zerstörung.
Tschaikowskys dreiaktige Oper «Mazeppa» – eine politisch-historische Oper? Keineswegs, sie zeigt vielmehr die Geschichte einer jungen Frau, die in kindlicher Naivität von der urtümlichen Kraft des alten Kriegers und dessen Visionen fasziniert ist, Visionen, die sie kaum begreift und die märchenhafte Vorstellungen von Thron und Herrschertum enthalten. Indem sie Mazeppa folgt, nimmt sie die «Entehrung» ihrer Familie in Kauf. Die Folge: Sippen- und Blutrache, die am Ende alle zerstören wird. Als exzessive Racheorgie inszeniert Tatjana Gürbaca die Geschichte der Maria und ihrer Eltern, der auch Mazeppa zum Opfer fallen wird. Die Regisseurin zeigt keine Scheu vor deutlichen Bildern. Dass sich Maria im Stroh Mazeppa ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Als kleiner Junge stand auch ich oft mit leuchtenden Augen vor dem Weihnachtsbaum, und ich erinnere mich gern an diese Zeit zurück. Trotzdem empfinde ich Pfitzners «Christelflein» als ein ziemlich ungenießbares Machwerk. Denn hier kommt zusammen, was absolut nicht zusammengehört. Dräuendes Erlösungspathos und affektierte Kindlichkeit, nachwagnerische Leitmotivik...
Die legitime Erbin der von Spontini in die Welt gesetzten Vestalin war ein Erfolg sondergleichen. Doch wie so viele Werke des 19. Jahrhunderts, die den Zeitgeist trafen und das Publikum in Scharen anlockten, geriet auch Saverio Mercadantes «La Vestale» in Vergessenheit, obwohl sie nach der Uraufführung am 10. März 1840 in Neapel binnen fünf Jahren in Paris, Wien,...
Fast zehn Jahre hat sich Pascal Dusapin für sein viertes Bühnenopus «Perelà – uomo di fumo» Zeit genommen. Und – um es vorweg zu sagen – jede Minute der ausgedehnten Inkubationsphase hat sich ausgezahlt: ein großer Wurf! In dem durch einen Roman des italienischen Futuristen Aldo Palazzeschi («Il codice di Perelà», 1911) inspirierten, 2003 an der Pariser...
