Gestochene Akzente
Als Händel 1751 sein Oratorium «Jephta» schrieb, war die Welt des Ancien Régime noch intakt: Während dreißig Jahre später Mozarts Idomeneo abdanken wird, nachdem ihn das Eingreifen Gottes an der Opferung seines Kindes gehindert hat, ist bei Händel der himmlische Gnadenakt noch die Bestätigung herrscherlicher Autorität. Der Monarch, der die Treue gegenüber seinem Gott über die eigene Familie gestellt hat, darf mit höchstem Segen weiterregieren. An Kopenhagens Oper zeigt ihn das Schlussbild in Katie Mitchells Inszenierung denn auch eifrig bei der Arbeit.
Nur dass sich hinter seinem Rücken Frau und Tochter zur Abreise rüsten, zeigt, dass die Geschehnisse an den Beteiligten nicht spurlos vorübergegangen sind.
Es finden sich in diesem «Jephta» ein ganze Menge solcher Fingerzeige – Mitchell versteht es, mit kleinen Details den Figuren des Oratoriums eine Geschichte zu geben, ihre oft recht unvermittelten ariosen Gefühlsausbrüche so in einem Beziehungsgeflecht zu verankern, dass der Stoff tatsächlich zur vollwertigen Oper wird. Jephtas Gemahlin Storgé (Susan Bickley) etwa ist eine einsame Frau, die sich längst ihrem Mann entfremdet hat und alle Zukunftshoffnung auf ihr einziges Kind Iphis ...
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