Gestaute Zeit

Valery Gergiev als Wagner-Dirigent: Das hauseigene Label des Mariinsky-Theaters dokumentiert einen «Parsifal», in dessen Zentrum der Gurnemanz René Papes steht

Sein großes Verdienst ist, dass er Wagner nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in
St. Petersburg hoffähig gemacht hat. Mit «Lohengrin», «Holländer», dem ganzen «Ring» und mit «Parsifal»: Valery Gergiev, der Unermüdliche, hat nach russischem Repertoire (klar!) und Ausflügen ins italienische Fach (etwa mit der in Petersburg uraufgeführten Originalfassung von Verdis «Macht des Schicksals») Wagner am Mariinsky-Theater fest verankert. Der Weg war lang: «Ich musste meine erste ‹Walküre› in Rumänien sehen», gestand Gergiev einmal.



Nun liegt beim hauseigenen Label in SACD-Qualität eine «Parsifal»-Aufnahme vom Juni 2009 vor, die keineswegs russisch herb oder nur technisch makellos klingt, sondern erfreulich frei ist von pathetischem Gedonnere oder drängender Überhitzung (wie Gergievs Londoner Mahler-Zyklus). Der Maestro trumpft, anders als zuletzt bei Tschaikowsky oder Schostakowitsch, nicht mit Schroffheit auf; er setzt auf einen fast schmeichelnd weichen Orchesterklang. Imponierend ist insbesondere die Balance – wie etwa im Vorspiel zum ersten Akt die Holzbläser verschmelzen oder wie die Tremoli der Streicher unter dem Blechapparat durchschimmern. Immer spürt man eine gewisse Labilität ...

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Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Medien / CD, Seite 31
von Christoph Vratz

Vergriffen
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