Gespensterstunde

Mannheim, Beethoven: Fidelio

Opernwelt - Logo

Die Unterzeile, die bei der jüngsten Mannheimer Opernproduktion dem Originaltitel «Fidelio» beigegeben war, ließ aufhorchen. Sie lautete: «Beethoven op. 72 (1814) bei der NBC New York (1944) Toscanini Reminiszenz 2004». Ein klar verklausuliertes Signal, dass hier keine herkömmliche Auseinandersetzung mit einer klassischen Vorlage geplant war.
Bei seiner ersten Begegnung mit dem Musiktheater hatte der prominente Schauspielregisseur Frank-Patrick Steckel eigenwillige Absichten. Wäh­rend der Vorstellung fragte man sich, was da eigentlich am National­theater vorgestellt wurde.

Die Neuinszenierung einer Oper? Eine halbszenische konzertante Aufführung? Ein szenisches Oratorium? Schauspiel mit (viel) Musik? Der Sache wahrscheinlich am nächsten käme die Bezeichnung «theatralische Fantasie über ­‹Fidelio›». Eine Operninszenierung im strengen Sinne fand jedenfalls nicht statt. Gleichwohl ersann und realisierte Steckel – und darauf kommt es an – ein fesselndes, aufregendes theatralisches Ereignis von unverwechselbar eigener Aura.
Seine Idee: Im Dezember 1944, während amerikanische Truppen in Europa gegen Nazi-Deutschland kämpf­ten, führte Arturo Toscanini in New York mit seinen NBC-Sinfonikern ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Gabor Halasz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mao und der Zottel

Glücklicher Kalaf: Er hat nur drei Rätsel zu lösen und darf sich danach am Ziel wähnen. Armer Zuschauer: Er wird in Günter Krämers neuer «Turandot»-Inszenierung mit Rätseln zugeballert und ist am Ende keineswegs aufgeklärt. Unterstellen wir mal, dass sich Krämer vieles genau überlegt hat. Doch ächzt diese Aufführung bis zum Schluss unter der Fülle ungelöst...

Die Sache mit Gott

in Mann wie Schönbergs Moses hat es heute doppelt schwer. Nicht nur, weil es ihm, der Gottes Stimme vernommen zu haben glaubt, immer dann die Sprache verschlägt, wenn er die Botschaften des Allmächtigen unters Volk bringen will. Und auch nicht allein, weil diese Sprachnot aus der Überzeugung resultiert, dass absolute, himmlische Wahrheiten ihre Unschuld verlieren,...

Bundeswettbewerb Gesang Berlin

Heikle Sache: Ausgerechnet Stefanie Iranyi, die Gewinnerin des 1. Preises ­«Konzert», enttäuschte bei der Abschlussveranstaltung des Bundeswettbewerbs ­Gesang in der Komischen Oper Berlin. Mit Klavierbegleitung in einem kleinen Raum vor der Jury zu reüssieren, ist eben doch etwas ­anderes, als mehr als tausend Zuschauer zu ­verführen. Das gelang Peter Schöne,...