Geschreddert

Rameau: Platée
Passau | Theater

Opernwelt - Logo

Platée, die von einem Tenor dargestellte Titelfigur in der gleichnamigen Oper Jean-Philippe Rameaus, ist eines der bedauernswertesten Geschöpfe der Opernwelt. Obwohl als hässliche Sumpfnymphe geboren, hält sie sich für das attraktivste Mädchen auf Erden. Doch dieses Missverhältnis sichert ihr nicht nur die Aufmerksamkeit Jupiters, der mit der offenkundigen Mesalliance mal wieder seine Juno ärgern will, sondern auch immer wieder das Interesse neugieriger Opernmacher.

Nun ist sie aus Frankreichs Sümpfen sogar bis in die Drei-Flüsse-Stadt Passau geschwommen, wo sie aber, tollpatschig wie sie nun mal ist, irgendwie den falschen Abfluss erwischt haben muss. Also entsteigt sie dortselbst einer riesenhaften Toilette, die, wie man aus dem Prolog erfahren hat, Jupiter und die Seinen für ihre sexwütigen Partys nutzen. Eine riesige Kakerlake saust um das Klo, ebenso wie der Hirt Cithéron, der als «Meister Proper» dem Übel mit einer übergroßen Klobürste zu Leibe rückt. Gummipuppen fliegen von allen Seiten herein, und zu Jupiters Schönheitswettbewerb tritt auch eine offenbar ziemlich stinkige «Miss Merde» an, während ein vierköpfiges Tänzerensemble immer wieder in rasender Hektik durchs Bild ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Die höchsten der Gefühle

Geliebt wird man nur, wenn man Schwäche zeigen darf. Nicolai Gedda zeigte Schwäche bei einem Liederabend in der Hamburger Oper, den er im Herbst seiner Karriere gab. Im Herbst? Es war am 19. Januar 1998, er war 72 Jahre alt. Am Ende des ersten Teils mit Liedern von Richard Strauss hatte er gegen einen «Frosch  im Hals» kämpfen müssen. Nach der Pause, nun mit...

Jugendliche Grenzgänger

Benjamin Britten war skeptisch. Vermutlich, so schrieb er nach Vollendung seines «Peter Grimes», werde kaum jemand die Oper auf der Bühne ertragen können. Warum, zeigt die Arbeit des jungen österreichischen Regisseurs Philipp M. Krenn. Er verortet das Stück, ganz im Sinne Brittens, an der Schmerzgrenze zum Unerträglichen. Krenns Inszenierung zeigt den Titelhelden...

Zwischentöne

Die Nachtseiten des Daseins, Melancholie, Schmerz und Tod sind die Themen, um die die Musik des österreichischen Komponisten Georg Friedrich Haas kreist – nicht zuletzt die in Zusammenarbeit mit seinem Landsmann Händl Klaus zwischen 2011 und 2016 für die Schwetzinger Festspiele entstandene Opern-Trilogie «Bluthaus», «Thomas» und «Koma». Auch das im November 2015 an...