Geschlossene Gesellschaft
Ich war zehn. Ich dürfe, sagte mein Vater, meine Mutter abends in die Operette begleiten: Abonnement-Gastspiel des Städtebundtheaters aus Hof mit dem «Vogelhändler» von Carl Zeller. Ich kannte die Musik, weil im elterlichen Hause viel Operette gehört wurde und, ja, ich mochte sie. Kurzum, ich freute mich auf meinen ersten abendlichen Theaterbesuch. Es sollte der Beginn einer wunderbaren Beziehung werden – zu einer sich mitunter recht mondän, mitunter recht albern, manchmal auch ein bisschen peinlich gebärdenden Dame.
Über die man damals, Ende der 1960er-Jahre, einmal mehr befand, sie sei schon längst tot. Gäbe es eine Steigerungsform von tot, so müsste man heute, ein halbes Jahrhundert danach, konstatieren: Sie ist noch toter als tot. Klingt nach dem Refrain eines – noch zu schreibenden – Operettenchansons. Und so gar nicht nach einer Renaissance der Gattung, auch wenn von dieser, mitunter, die Rede ist. Wie auch derzeit wieder. Versuch einer Abwägung
Niedergangsszenarien
Zunächst: Dass jemand mit Operettenmusik aufwächst und sich auch noch an ihr delektieren kann, war auch vor 50 Jahren bereits die Ausnahme. Auf der intellektuellen Seite hatten kulturwissenschaftliche Vordenker ...
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Opernwelt Juli 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 24
von Alexander Dick
Der «Montag» in Karlheinz Stockhausens siebentägiger Mythenphantasmagorie «Licht» beginnt unter Wasser: Im Foyer des Aufführungsorts werden die Hörer in grünes Licht getaucht, während endlos gedehnte Bassetthornklänge und Wassergeräusche auf sie eindringen. «Grünliche Dämmerung» schreibt auch Richard Wagner für den Unterwasserbeginn seines ebenfalls mythomanen,...
«Wien, Wien, nur du allein sollst stets die Stadt meiner Träume sein.» So jauchzend umschwurbelte einst Peter Alexander sein überirdisch fesches Paradies ewigen Frühlings- wie auch Liebesglücks – und der Himmel voller Geigen! Aber Wien wäre nicht Wien, hielte der obligate «Schmäh» im Song nicht auch die zynische Gegenwelt parat: «Vienna, Vienna, nur du allein,...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (8.6.) als Präsenzvorstellung geplanten oder als Stream angekündigten Premieren und Festivals des Monats Juli 2021. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
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